Was versteht man unter dem Begriff Handwerk?
Das Handwerk heute
Die Möbelfertigung durch Tischler/Schreiner wird heute häufig von der industriellen Fertigung abgelöst. Durch die automatisierte Fertigung lassen sich große Mengen standardisierter Möbelteile in kürzester Zeit anfertigen. Dadurch entsteht eine viel größere Produktivität als bei der Einzelfertigung. Dennoch können Tischler/Schreiner auch kreative Einzelstücke mit speziellen Maßen anfertigen, was bei einer Massenproduktion nicht möglich wäre.
Zur Ausübung der heutigen Handwerksberufe können die betreffenden Gewerbe glücklicherweise auf die moderne Technik zurückgreifen. So haben sie Kettensägen, Betonmischmaschinen, Akku-Bohrschrauber oder Ähnliches zur Verfügung.
Welcher Handwerker in der Antike hätte sich auch je träumen lassen, dass seine Kollegen irgendwann einmal mit einem WIG Schweißgerät arbeiten würden?
Das Handwerk in der Antike
Bereits die alten Kulturen (Ägypter, Römer, Griechen) besaßen hervorragende Handwerker. Das zeigt sich auch an den Bauwerken oder Straßen, die sie uns hinterlassen haben. Gerne übersehen wird neben den Bauhandwerkern auch der Beruf des Brauers oder Winzers, denn auch damals war es schon beliebt, Bier und Wein zu konsumieren. Aber auch Steinmetze, Korbmacher, Müller oder Maurer gab es selbstverständlich in der damaligen Zeit.
Schmiede gehören übrigens zu den ältesten Handwerkern der Welt, denn die Metallverarbeitung, die sich zunächst auf Bronze oder Kupfer bezog, gab es in Ägypten schon vor über 5000 Jahren. Die Verarbeitung von Eisen kam erst später hinzu (ungefähr 1200 v. Chr.)
Allerdings waren die Handwerker nicht immer gleich gut angesehen. Das lag in erster Linie daran, dass sich die anstrengende Arbeit der Gesundheit nicht gerade zuträglich war. Daher konnten Handwerker beispielsweise nicht für den Kriegsdienst herangezogen werden. Außerdem sind Handwerker, früher wie heute, auch von ihren potenziellen Kunden abhängig. Solche skeptischen Anmerkungen zu den Handwerkern haben schon Platon oder Aristoteles in ihren überlieferten Werken erwähnt.
Das Handwerk im Mittelalter
Während des Frühmittelalters gab es hauptsächlich Bauern, die sich Dinge nur zum eigenen Bedarf herstellten. Daher beschränkte sich das Handwerk auf die Verarbeitung von Getreide, Gemüse, Obst oder Fleisch sowie die Herstellung von Kleidung. Und selbstverständlich mussten Geräte wie Pflüge oder häusliches Mobiliar aus Holz selbst instandgehalten oder hergestellt werden. All das war nur für den Eigenbedarf gedacht.
Die speziellen Tätigkeiten bildeten sich erst im Hochmittelalter heraus, wo sich Schmiede, Töpfer oder Zinngießer und andere Handwerker auf einen Bereich spezialisierten und die Waren auf dem Markt anboten. Von da ab wurde es auch langsam möglich, sich in einem Beruf ausbilden zu lassen. Für die Lehrjungen war es aber wichtig, aus einer wohlhabenden Familie zu stammen und als eheliches Kind geboren zu sein.
Der Lehrling (Lehrjunge) erhielt kein Ausbildungsgehalt, sondern musste für seine Ausbildung bezahlen. Dafür bekam er freie Kost und Logis. Nach der Ausbildung beim Meister konnte er sich noch zum Gesellen ausbilden lassen und später selbst Meister werden.
Gilden und Zünfte
Gilden nannte man die Zusammenschlüsse von Kaufleuten oder fahrenden Händlern. Sie boten sich gegenseitig Schutz und Unterstützung. Berühmtestes Beispiel dafür ist die Hanse, an die beispielsweise die „Hansestadt Hamburg“ heute noch erinnert. Manchmal wurde der Begriff Gilde auch für Handwerker verwendet, die allerdings ihre eigenen Zusammenschlüsse besaßen, die man Zünfte nannte.
Zünfte wurden von Handwerkern im Mittelalter gebildet, um sich gegenseitig zu unterstützen und zu schützen. Manchmal konnten Zünfte auch Mitglieder aus unterschiedlichen Berufen aufnehmen. Sie besaßen ihr eigenes Wappen und ihre eigene Kleidung. Außerdem erstellten sie Zunftordnungen.
Sogar Frauen konnten in Zünfte aufgenommen werden. Ab dem 17. Jahrhundert waren die Möglichkeiten für Frauen allerdings nur noch auf wenige Berufe wie beispielsweise Seidenweber oder Goldspinner begrenzt.
Auch heute noch sind derartige freiwillige Zusammenschlüsse vorhanden, die die Zünfte und Gilden ablösten. Die modernen Interessenvertretungen bieten aber nicht nur Hilfe für ihre Mitglieder, sondern auch für die Verbraucher an.
Die Frühe Neuzeit brachte neue Regelungen
Ab dem 16. Jahrhundert wählten sich die jungen Burschen eine Ausbildung gemäß ihres gesellschaftlichen Standes. Sie absolvierten eine festgelegte Lehrzeit und bildeten sich als Wandergeselle weiter. Dadurch verbreiteten sich auch lokale Arbeitstechniken in anderen Regionen. Nun blühten zudem weitere neue Gewerbe auf, wie zum Beispiel der Buchdruck.
Obwohl dies aus heutiger Sicht ein Vorteil war, da die Vielfalt und gründliche Ausbildung für eine gut abgedeckte Bandbreite an Leistungen und eine gute Qualität bürgten, gab es auch kritische Stimmen.
Denn ausgerechnet der schottische Ökonom Adam Smith (1723-1790) stellte diese bessere Qualität infrage. Außerdem befürchtete er, dass die lange Dauer auch den Fleiß des Lehrlings bremsen würde. Auch der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Christoph Bernoulli (1782-1863) plädierte in seinen Schriften für die Abschaffung der einschränkenden Zunftordnungen.
Beispiele für Zünfte
Zu den alten Zünften gehörten beispielsweise:

Handwerk und Industrialisierung
Nach der Französischen Revolution kam es zu diversen Änderungen im Handwerk. Mit der beginnenden Industrialisierung konnte nun jeder – unabhängig von seinem gesellschaftlichen Stand – einen Beruf ergreifen. Später kam es zur allgemeinen Gewerbefreiheit und der Einführung der Handwerksordnung, in welcher alle zulassungsfreien, zulassungspflichtigen und handwerksähnlichen Gewerbe festgelegt sind.
Durch die Industrialisierung brach die Struktur der alten Gewerbe zusammen. Güter wurden nun maschinell mithilfe der „modernen“ Technik hergestellt oder aus dem Ausland importiert. Beides bedrohte die regionalen Handwerker mit ihren langsameren Produktionsmöglichkeiten, die weniger Ware und viel später liefern konnten.
Heute sind zwar nicht die reinen Handwerksunternehmen aber die Unternehmen einer Region anstatt als Innung, Zunft oder Gilde als Körperschaft des öffentlichen Rechts organisiert.
27.11.2020





