Amerikanischen und japanischen Wissenschaftlern gelang es Ende vergangenen Jahres, menschliche Hautzellen so umzuprogrammieren, dass sie fast alle Merkmale embryonaler Stammzellen aufwiesen. Diese gelten als „Wunderwaffe” bei der künftigen Behandlung von Krankheiten wie Parkinson oder Herzinfarkt. Ethisch umstritten ist allerdings ihre Gewinnung, da man sie aus Föten entnimmt, die dabei zerstört werden. bild der wissenschaft sprach mit einem der führenden deutschen Stammzellenforscher, Oliver Brüstle von der Universität Bonn.
bdw: Herr Prof. Brüstle, wie bewerten Sie die Arbeit der Forscher?
BRÜSTLE: Das ist ein wichtiger Schritt nach vorne. Er eröffnet die Möglichkeit, Zellen verschiedenster Gewebe quasi aus einer kleinen Hautprobe nachzuzüchten.
bdw: Ist die Technologie, Hautzellen durch Zugabe bestimmter Faktoren zum Urzustand der Zelle zu „reprogrammieren”, bereits biomedizinisch anwendbar?
BRÜSTLE: Natürlich gibt es noch einige Herausforderungen, da die Reprogrammierungsfaktoren über Viren eingeschleust wurden, die genetische Störungen in den Zellen hervorrufen können. Außerdem wurden auch sogenannte Onkogene eingesetzt, die die Entstehung von Tumoren fördern. Diese Schlüsselprobleme müssen noch überwunden werden.
bdw: Wann wird das der Fall sein?
BRÜSTLE: Man muss sehr deutlich sehen, dass wir noch ganz am Anfang stehen!
bdw: Welche konkreten Konsequenzen hat die Entdeckung für Ihre Forschung in Deutschland?
BRÜSTLE: Wir beschäftigen uns ja damit, wie man aus Stammzellen Gehirnzellen herstellen kann. Dabei ist die bevorzugte Quelle die embryonale Stammzelle. Sollte es aber möglich sein, reprogrammierte Zellen in gleicher Art auszureifen, wären unsere Verfahren direkt zu übertragen und sehr breit anzuwenden.
bdw: Wird die Forschung an embryonalen Stammzellen bald überflüssig?
BRÜSTLE: Ganz im Gegenteil. Die Forschung an diesen Zellen ist essenziell, um die Reprogrammierungsmechanismen zu verstehen und auch, um neue Verfahren zu entwickeln.





