Das Gespräch führte Martin Angler
Große Konzerne wie Amazon und Google bestellen Prototypen kleiner, modularer Kernreaktoren, sogenannter SMR. Was ist da los?
Ganz einfach. Die brauchen unterbrechungsfrei elektrischen Strom. Wenn sie sich beispielsweise drei kleine modulare Reaktoren direkt vor ein Data Center bauen, haben sie auch dann Strom, wenn einmal einer der Reaktoren ausfällt. Die KI-Unternehmen aus den USA sind aber nicht die einzigen mit ständig hohem Energiebedarf. Denken Sie hierzulande etwa an Betonproduzenten oder die Chemieindustrie. Wenn die einmal weg müssen von fossilen Brennstoffen, werden sie sich auch nach nuklearen Lösungen umsehen.
Was ist das Besondere an einem SMR?
Der Clou liegt in der Modularität. Die Anlagen sind so konzipiert, dass sie großenteils vormontiert ausgeliefert werden. Das sind Kernreaktoren vom Fließband, wenn Sie so wollen.
Doch sie haben eine relativ geringe Leistung.
Nur so lassen sich im Reaktorbehälter nicht nur die Brennelemente, sondern der ganze Primärkreis unterbringen. Die Reaktoren integrieren, je nach Design, den Kühlmittelkreislauf vollständig oder in weiten Teilen, oft sogar einige Notkühlsysteme. Das hat Vorteile für die Sicherheit, erleichtert es aber auch, gleich mehrere Einheiten parallel zu schalten und aus vielen kleinen Reaktoren eine größere Gesamtleistung zu holen.
Jetzt brauchen wir aber ein Beispiel.
Der NuScale-Reaktor aus den USA geht sehr weit in seiner Modularität. Bis zu zwölf Reaktoren mit je 78 Megawatt Leistung lassen sich kombinieren. Sie teilen sich eine gemeinsame Turbine, ein Becken für die Sicherheitskühlung und eine Umladestation, wo abgebrannte Brennstäbe entfernt und neue nachgeladen werden. Der Leistungsverlust beim „Nachtanken“ trifft, anders als bei einem großen Kraftwerk, nur ein Zwölftel der Gesamtleistung, weil jeweils nur ein Reaktor abgeschaltet werden muss. Ein solcher SMR-Verbund läuft weitgehend unterbrechungsfrei.





