Der Placebo-Effekt sorgt dafür, dass sich viele Beschwerden allein aufgrund unserer Erwartungshaltung bessern – selbst wenn wir nur eine Scheinbehandlung erhalten. Besonders mächtig ist dieser Effekt bei Schmerzen: In früheren Studien hat sich bereits gezeigt, dass Medikamente ohne jeglichen Wirkstoff Schmerzen ähnlich stark lindern können wie hochwirksame Opioide, wenn die Testpersonen mit einer entsprechenden Wirkung rechnen. Auch bei echten Medikamenten kann der Placebo-Effekt die Wirkung verstärken.
Das ist mehr als nur Einbildung: In Erwartung einer Schmerzlinderung schüttet unser Körper selbst Endorphine aus, also körpereigene Opioide. Sogar wenn die Testpersonen wissen, dass sie lediglich eine Scheinbehandlung erhalten, kann der Effekt seine Wirkung entfalten – wenn auch teils in abgeschwächter Form. Bereits in früheren Studien hat sich zudem eine gezielte Konditionierung als hilfreich erwiesen, um zuverlässig einen schmerzlindernden Placebo-Effekt bei Menschen hervorzurufen. Welche neuronalen Mechanismen dahinterstecken, war allerdings noch unklar.
Schmerz-Test mit Mäusen
Um den Vorgängen im Gehirn auf die Spur zu kommen, hat ein Team um Giulia Livrizzi von der University of California in San Diego eine Reihe von Experimenten mit Mäusen durchgeführt. „Wir haben im Wesentlichen ein Mäusegehirn darauf trainiert, bei Bedarf seine eigenen Breitband-Schmerzmittel zu produzieren, und zwar genau dort, wo sie zur Schmerzbehandlung benötigt werden, ohne die unerwünschten Effekte von opioidbasierten Schmerzmitteln“, sagt Livrizzis Kollegin Janie Chang-Weinberg.
Für ihr Experiment setzten die Forschenden Mäuse wiederholt auf eine heiße Platte und beobachteten, wie schnell sie begannen, vor Schmerz ihre Pfoten zu heben, zu schütteln, zu lecken oder in die Luft zu springen. Um die Tiere zu konditionieren, verabreichten sie ihnen vor jedem zweiten Durchlauf das Schmerzmittel Morphin und setzten sie in einen Raum mit gepunkteten Wänden und Zitrusduft. So lernten die Tiere, dass sie nach dem Aufenthalt in diesem Raum mit weniger Schmerzen zu rechnen hatten.
Körpereigene Opioide dank Konditionierung
Tatsächlich sorgte die Konditionierung für einen deutlichen Placebo-Effekt: Kamen die auf diese Weise trainierten Mäuse ohne Schmerzmittel in den gepunkteten Zitrusduft-Raum und anschließend auf die heiße Platte, zuckten sie viel später mit den Pfoten zurück und sprangen seltener in die Luft – fast so, als wenn sie zuvor Morphin erhalten hätten. „Das Ausmaß der Placebo-Schmerzlinderung betrug etwa 30 bis 60 Prozent der Morphinwirkung“, berichten die Forschenden. Das galt nicht nur für den Hitzeschmerz, mit dem die Mäuse konditioniert worden waren, sondern auch für andere Arten von Schmerzen, etwa durch Verletzungen oder Entzündungen an den Pfoten. Selbst nach mehreren Durchläufen ohne Schmerzmittel nahm die Konditionierung nur langsam ab. Damit erwies sich der Placebo-Effekt als langanhaltend stabil.





