Eine neue Software könnte Polizisten und Opfern in Zukunft das Erstellen von Phantombildern deutlich erleichtern: Die Programme, die einen so genannten genetischen Algorithmus nutzen, kommen zu deutlich exakteren Ergebnissen als herkömmliche Methoden und liefern das Ergebnis zudem in kürzester Zeit ? im Idealfall innerhalb von Minuten. Das berichtet das britische Wissenschaftsmagazin New Scientist (19. März, S. 24).
Genetische Algorithmen ahmen Mechanismen aus der Evolution nach. Sie erzeugen eine Reihe möglicher Kandidaten, aus denen dann diejenigen ausgewählt werden, die bestimmte Kriterien am ehesten erfüllen. Die Programme, die von zwei unabhängigen britischen Forscherteams entwickelt wurden, benötigen lediglich grundsätzliche Angaben zu den Gesichtern wie etwa Geschlecht, Hautfarbe und Haarfarbe. Daraus entwickeln sie neun zufällig zusammengestellte Gesichter, die dann dem Augenzeugen präsentiert werden.
Der Zeuge wählt das Gesicht aus, das die größte Ähnlichkeit mit dem Täter besitzt. Dieses verwendet der Algorithmus dann, um weitere Gesichter mit jeweils leichten Veränderungen zu erstellen. Ist ein Merkmal exakt getroffen, wird es eingefroren und nur noch andere Details weiter verändert. In ersten Tests konnten Freiwillige Gesichter, die mit dieser neuen Methode erstellt worden waren, doppelt so häufig wiedererkennen als solche, die mit herkömmlichen Methoden entstanden waren.
Bisher müssen Zeugen oder Opfer von Verbrechen die einzelnen Teile von Gesichtern aus umfangreichen Datenbanken mit den unterschiedlichsten Varianten von Augen, Nasen, Mündern und Kinnpartien heraussuchen. Ein Polizist befragt sie und versucht, mithilfe dieser Angaben ein komplettes Gesicht zusammenzufügen. Das kann zum Teil mehrere Stunden in Anspruch nehmen und trifft den Täter nicht immer genau. Die neue Technik erlaubt es dagegen, das Bild viel unkomplizierter und schneller zu erstellen, so lange die Erinnerung noch frisch ist.
ddp/wissenschaft.de ? Cornelia Dick-Pfaff





