Die Fernsehröhre, die seit über 50 Jahren für bewegte Bilder sorgt, hat wohl bald ausgedient. Um ihr Erbe buhlt eine ganze Reihe verschiedener Technologien für flache Bildschirme.
Wie man heute fernsieht
Fernsehen ist für viele Menschen das wichtigste Unterhaltungs- und Informationsmedium. Kein Wunder also, dass in den meisten Haushalten mehr als einer der beliebten Flimmerkästen steht. Allerdings ereilt immer mehr der herkömmlichen dickbauchigen Unterhaltungsmaschinen der Rauswurf aus dem Wohnzimmer. Denn im Vergleich zu modernen Flachbildfernsehern schaut man mit den alten Geräten buchstäblich in die Röhre. Die neuen Flachen setzen auf Flüssigkristall- oder Plasmatechnologie und sind mittlerweile mit Bildschirmen von der Dimension einer Haustür erhältlich.
Für den Hausgebrauch sind die neuen Hightech-Fernseher – ebenso wie flache PC-Monitore auf LCD-Basis – vor allem durch ihre geringe Bautiefe praktisch: Sie lassen sich trotz größerer Displayfläche platzsparender unterbringen als Röhrengeräte – und auch LCD-Monitore für den Computer rauben kaum Platz auf dem Schreibtisch. Die Flachfernsehgeräte sind zudem dekorativ und lassen sich wie Bilder an die Wand hängen. Ein weiterer Vorteil: Bislang bieten, mit ganz wenigen Ausnahmen, fast ausschließlich die Flachbildfernseher die Möglichkeit, Filme in HDTV (High Definition Television) zu sehen. Die gestochen scharfen Bilder dieses hochauflösenden Fernsehens verwandeln die heimische Mattscheibe in ein Mini-Kino.
Im Vergleich zum Vorjahr sind die Verkaufszahlen von Flachfernsehern 2006 deutlich gestiegen. So gingen in Deutschland rund 2,5 Millionen TV-Geräte mit LCD-Bildschirm über den Ladentisch – etwa doppelt so viele wie 2005. Die Zahl der verkauften Plasmafernseher kletterte um 55 Prozent auf rund 465 000. Besonders beliebt sind Bildschirme mit einer Diagonale von 81 bis 106 Zentimetern (32 bis 42 Zoll). Gleichzeitig sank die Zahl der verkauften Röhrenfernseher in Deutschland im letzten Jahr um ein Drittel auf rund 2,7 Millionen.
Auch weltweit sind die neuen Displays auf dem Vormarsch. Laut einer Studie des US-amerikanischen Marktforschungsunternehmens DisplaySearch wechselten 2006 global 55,1 Millionen LCDs und 10,7 Millionen Plasmadisplays den Besitzer. Für 2007 prognostizieren die Marktforscher einen Anstieg der Verkaufszahlen auf 89 beziehungsweise 17 Millionen Stück.
Bei der Markteinführung der ersten Plasma- und LCD-Fernsehgeräte im Jahr 2001 hatten die Käufer erstmals die Möglichkeit, sich TV-Geräte mit derart großen Displays anzuschaffen – allerdings lagen auch die Preise der Flachbildfernseher um ein Vielfaches über denen herkömmlicher Röhrengeräte. Sechs Jahre danach sind die Preise gebröckelt: Sie sanken von anfänglich rund 10 000 Euro für ein Gerät mit rund 80 Zentimeter großem Bildschirm auf heute um die 1500 Euro. Man muss für einen LCD- oder Plasmafernseher immer noch deutlich mehr Geld berappen als für ein Gerät mit Röhre. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens GfK in Nürnberg zur Unterhaltungselektronik in Westeuropa sind die Kunden jedoch bereit, für einen flachen Hightech-Fernseher bis zu 500 Euro mehr auszugeben.
Geräte mit LCD-Bildschirm tragen inzwischen fast die Hälfte zur Zahl der verkauften Fernsehgeräte bei – und sie machen bereits den Löwenanteil der verkauften Flachbildmonitore für PCs aus. Ihren Marktvorteil verschafften sich die LCD-Geräte durch ihre hohe Flexibilität bei der Baugröße und den geringeren Preis gegenüber Plasma-Bildschirmen. Die Flüssigkristallmischung in ihrem Inneren erlaubt es, Displays mit Bilddiagonalen von 43 Zentimetern bis zu 120 Zentimetern bei den neuesten großen Flachbildfernsehern zu verwirklichen. Das ist ein Pluspunkt gegenüber ihrem Konkurrenten, der Plasmatechnologie, mit der sich bisher nur großflächige Displays bauen lassen. Dafür trumpfen Plasmabildschirme bei der Farbintensität auf. Derzeit arbeiten die Forscher und Entwickler an Instituten und bei den Herstellerunternehmen mit Hochdruck daran, die Plasmatechnologie auch fit für kleinere Bildgrößen zu machen. Es werden allerdings noch einige Jahre vergehen, bis eine Lösung gefunden ist, um die zahlreichen leuchtenden Plasmazellen so klein zu fertigen, dass sie in ein kleines Display passen.Gleichzeitig wird bei den LCDs an einer besseren, mit Plasma- und Röhrengeräten vergleichbaren Farbintensität der Bilder gefeilt.
Die wichtigste Frage, die man sich beim Kauf eines neuen Monitors oder Fernsehers stellen muss, ist: „Wofür will ich ihn vor allem benutzen?” Denn die Geräte lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: Für die Arbeit am PC sowie für schnelle Videospiele sind möglichst kurze Schaltfrequenzen gut – beim Anschauen von Kinofilmen und Fernsehsendungen dagegen spielen vielmehr eine gute Farbwiedergabe und eine weitgehende Unabhängigkeit der Bildqualität vom Blickwinkel eine entscheidende Rolle.
Da sich Plasma- und LCD-Bildschirme in ihrer Bau- und Funktionsweise stark unterscheiden (siehe Kasten „Viele Wege führen zum flachen Bildschirm”), hat jede dieser beiden Technologien ihre eigenen Stärken und Schwächen. So sind die Schaltzeiten von LCD-Bildschirmen noch zu langsam, und ihre Farbwiedergabe ist zu blass. Andererseits haben Plasmadisplays bei der Abbildung schnell veränderlicher Bildsequenzen die Nase vorn – sie schaffen es sogar, auf großen Bildschirmdiagonalen von 155 Zentimetern ein scharfes und schlierenfreies Bild zu erzeugen.
Doch auch die gestochen scharfen Plasma-Riesen haben ihre Probleme. Die ultraviolette Strahlung, die in ihrem Inneren für die Bildwiedergabe erzeugt werden muss, ist Gift für das blaue und das grüne Leuchtmittel. Die Stabilität der Farben lässt deshalb im Lauf der Zeit nach, wodurch sich die Bildqualität verschlechtert. Sichtbar verblassen die Farben allerdings erst nach etwa 10 bis 15 Jahren. Ein weiteres Manko ist die Einbrenngefahr: Alle Plasmabildschirme sind auf das breite Bildformat mit einem Seitenverhältnis von 16:9 ausgelegt. Schaut man jedoch häufig Filme mit dem im Fernsehen meist verwendeten 4:3-Format an, bei denen der überflüssige Raum auf beiden Seiten des Bildschirms durch zwei schwarze, vertikal verlaufende Balken gefüllt wird, so altern die Plasmazellen in diesen Bereichen langsamer. Bei Filmen, die das volle Breitbildformat in Beschlag nehmen, leuchten dann nach einigen Jahren der linke und der rechte Display-Rand stärker als der mittlere Teil des Bildes.
Allerdings: Etliche Geräte der neuesten Generation verfügen über eine Art Reinigungsprogramm für den Bildschirm, das Ansätze von eingebrannten Stellen auf Knopfdruck wieder verschwinden lässt. Um den Bildschirm einheitlich altern zu lassen, werden bei vielen Geräten graue Streifen erzeugt, die sich vertikal durchs Bild ziehen, für den Zuschauer jedoch unsichtbar sind. Trotz der möglichen Probleme mit dem Einbrennen des Bildes ist die Qualität der Bildwiedergabe von Plasmageräten bisher kaum zu schlagen. Sie lässt sich allenfalls mit der Bildqualität von Videoprojektoren vergleichen.
Während die Hersteller von LCD- und Plasmadisplays heftig um die größten und qualitativ besten Bildschirme für Flachfernseher ringen, nimmt ein weiterer Konkurrent den Markt der Mini-Displays ins Visier: Organische Leuchtdioden, kurz OLEDs. Bereits seit über 25 Jahren tüfteln Wissenschaftler an dieser Technologie, doch erst seit 2002 gibt es die ersten Produkte mit OLEDs als Display. Man findet die besonders dünnen, leuchtstarken und stromsparenden organischen Bildschirme bisher beispielsweise in Autoradios von Pioneer, Digitalkameras von Kodak und MP3-Playern von Toshiba. Sogar einen spektakulären Kinoauftritt haben die organischen Leuchtdioden schon hinter sich: Ein Rasierapparat von Philips, den James Bond in dem 2002 gestarteten Streifen „Der Morgen stirbt nie” verwendet, besitzt einen OLED-Bildschirm, der den Akku-Ladezustand anzeigt. Ihre niedrigen Herstellungskosten und der geringe Stromverbrauch machen die organischen Leuchtdioden auch für viele andere Geräte interessant, die über ein kleines Display verfügen – etwa Handys, Anzeige-Elemente im Auto, Warenverpackungen oder Tastaturen.
Ein Nachteil der OLEDs ist allerdings ihre hohe Empfindlichkeit. Die organischen Displays müssen gut vor dem Kontakt mit Luft geschützt werden, da ihre Bestandteile von Sauerstoff zersetzt werden. Auf der anderen Seite bieten die OLEDs eine ganze Reihe von Vorteilen. So benötigen sie nur etwa halb so viel elektrischen Strom wie ein Display auf LCD-Basis. Denn die organischen Displays lassen sich durch eine elektrische Spannung selbst zum Leuchten zu bringen (siehe Kasten „Viele Wege führen zum flachen Bildschirm”). Eine Energie verzehrende Hintergrundbeleuchtung, wie sie etwa ein LCD benötigt, ist nicht erforderlich. Weiteres Plus: Die Wahrnehmung des Bildes auf einem organischen Display ist unabhängig vom Blickwinkel – der Bildschirm kann problemlos auch von der Seite eingesehen werden. Und: Direkte Sonneneinstrahlung mindert nicht die Bildqualität. Im Gegenteil: Die Farben leuchten im Sonnenlicht stärker und intensiver. Diese Resistenz gegenüber Sonnenstrahlen ist ein entscheidender Vorteil etwa beim Einsatz in Automobilen. Durchsichtige OLEDs könnten zum Beispiel auf der Windschutzscheibe Navigationsinformationen für den Fahrer einblenden.
Da OLEDs sehr schnell auf elektrische Impulse reagieren, erreichen sie extrem kurze Schaltzeiten von nur einer Millisekunde. Das macht sie geeignet für die Darstellung von Filmen und Videospielen. Bislang ist ein ausreichend großes Fernsehdisplay aus organischen Leuchtdioden jedoch noch Zukunftsmusik. Denn den Herstellerunternehmen der OLEDs machen die Verkapselung der sauerstoffempfindlichen Bauelemente und die aufwendige Ansteuerung der einzelnen Pixel noch zu sehr zu schaffen. Eine andere Schwierigkeit ist es, die organischen Leuchtdioden auf flexible Werkstoffe wie Kunststoff aufzubringen, die sie ausreichend vor Sauerstoff und Feuchtigkeit schützen. Bisher verwendeten die Hersteller spezielle Glasplättchen zur Ummantelung der empfindlichen Bildschirme, was allerdings nur die Herstellung von OLEDs mit starrer Form erlaubt. Das Ziel ist es, die organischen Leuchtdioden künftig auf beliebig verformbare Materialien aufzudrucken – ohne dadurch ihre Lebensdauer gegenüber den heutigen starren Displays zu verkürzen.
Wie die ersten Bilder aussahen
124 Jahre ist es her, seit der deutsche Ingenieur Paul Nipkow mit seiner Erfindung des „Elektrischen Teleskops” den ersten Schritt hin zur Bildzerlegung machte. Dazu benutzte er eine drehbare Scheibe mit spiralförmig angeordneten Löchern, die er zwischen eine Lichtquelle und das Objekt, das es abzubilden galt, stellte. Das Bild wurde durch lichtempfindliche Zellen und der „ Nipkow-Scheibe” in helle und dunkle Punkte zerlegt. Drehte man die Scheibe, setzten sich die Bildpunkte wieder zum ursprünglichen Bild zusammen. Weil sich die rein mechanische Technik nicht mit ausreichender Leistungsfähigkeit umsetzen ließ, konnte sich das erste patentierte Verfahren zur Bildzerlegung zunächst nicht durchsetzen. Die Idee der Nipkowscheibe wurde erst 1924 wieder aufgegriffen und das Verfahren verbessert – um damit eine der ersten Fernsehvorführungen zu ermöglichen. 1897 setzte der aus Fulda stammende Physiker Ferdinand Braun mit der Kathodenstrahlröhre – heute besser bekannt unter dem Namen Braun’s che Röhre – einen Meilenstein in der Bildschirmentwicklung. Das Prinzip basierte damals noch grob auf einer kalten Kathode und einer Lochblende, die den Strahl der von ihr erzeugten Elektronen fokussieren sollte. Gesteuert wurden die Elektronen durch magnetische Spulen, mit denen man die Kathodenstrahlen ablenken konnte. Vorrangig wurden mit dieser Technologie Messapparaturen wie Oszillographen betrieben. Vom ersten Monitorbild war Braun noch Jahre entfernt. Erst nachdem der US-Amerikaner Phil Farnsworth eine funktionierende Kathodenstrahl- und Kameraröhre kombinierte, war ein Vorreiter des ersten Fernsehers geboren.
Das erste Testbild zeigte zwei Mädchen im Badeanzug. Es wurde im Reichspostzentralamt über einen Fernseher empfangen, dessen Bild von Schlieren durchzogen war. Die Reichweite der Übertragung war noch innerhalb Berlins beschränkt. Mit der regulären Übertragung und dem Empfang auf Fernsehgeräten ging es erst am 22. März 1935 los. Das größte Manko, das es bei der Übertragung gab, war das Flimmern. Es trübte den Fernsehgenuss auf den Schwarz-Weiß-Bildschirmen erheblich. Eine Verbesserung brachte das 1937 eingeführte Zeilensprung-Verfahren. Hierbei werden bei der Übertragung aus 25 Bildern pro Sekunde 50 Halbbilder gemacht, die nacheinander übertragen werden. Das menschliche Auge ist zu träge, um diesen Bildwechsel zu bemerken, und empfindet daher die 50 Halbbilder als fließendes und annähernd flimmerfreies Bild. In einer modifizierten Form ist dieses Verfahren bei den heutigen Röhrenfernsehern noch gebräuchlich.
Verhindert wurde die weitere Entwicklung des Fernsehens durch den Zweiten Weltkrieg. Fernsehbildschirme wurden fast nur noch für militärische Zwecke genutzt. Einen Platz im gesellschaftlichen Leben fanden Fernseher in Deutschland erst wieder 1952. Die Zahl von anfänglich 300 empfangsbereiten Geräten bundesweit hat sich in den Folgejahren mehr als vertausendfacht. 1959 gingen bis zu 5000 Schwarz-Weiß-Geräte über den Ladentisch. Acht Jahre später wurde das Farbfernsehen eingeführt.
1981 brachte die Firma IBM den ersten Personal Computer (PC) auf den Markt. Der Kathodenstrahl-Bildschirm fand eine neue Verwendung in Form von PC-Monitoren. Ähnlich schwer und klobig wie die Fernseher dieser Zeit waren auch die Monitore. Während ihre Leistungsfähigkeit schnell den wachsenden Anforderungen genügte, blieb ihr Gehäuse vorerst sperrig. Platzsparendere Displays gab es erst, als die neuen Liquid Crystal Displays, kurz LCDs, auf den Markt kamen. Die ersten Flüssigkristall-Displays wurden 1973 in Japan vorgestellt. Den ersten farbigen LCD-Monitor – mit einer Bilddiagonalen von rund 35 Zentimetern (14 Zoll) –, präsentierte die Firma Sharp im Jahr 1988. Die Vorteile von LCD-Bildschirmen gegenüber den herkömmlichen Röhrenmonitoren sind enorm. Sie waren von Anfang an schlanker und leichter als die konventionellen PC-Monitore und noch dazu schonender für die Augen. Preis und Stromverbrauch waren allerdings um einiges höher.
Während die Entwicklung und Produktion von LCDs in Japan, wo sich heute die meisten Produktionsstätten befinden, schon in den Siebzigerjahren anlief, brachte ein sportliches Event die Hersteller von Plasmageräten auf Trab: die Olympischen Winterspiele von 1998 in Nagano. Ein japanischer TV-Sender wollte seinen Zuschauern leistungsstarke Monitore anbieten, um das hochauflösende TV-Angebot für diese Sportveranstaltung nutzen zu können. Ein Röhrenfernseher in dieser Größe wäre viel zu sperrig gewesen. Deshalb schlossen sich 1996 etwa 25 Unternehmen – darunter Pioneer, Fujitsu und Texas Instruments, zusammen und begannen mit der Entwicklung und Produktion von Plasma-TV-Geräten.
Im Jahr 1996 ließ der erste große Plasmafernseher von Philips, der eine Bilddiagonale von 126 Zentimetern besaß, die Herzen vieler Fernsehzuschauer höher schlagen. Der Preis von umgerechnet rund 15 000 Euro machte das Gerät jedoch für die meisten Menschen unerschwinglich.
Flach und biegsam geht es weiter
In den Wettstreit der zwei heutigen Flachdisplay-Technologien Plasma und LCD wird sich 2007 ein neuer Konkurrent einklinken, der die Vorteile der heute gebräuchlichen Flachbildtechnologien und der konventionellen Röhrenmonitore in sich vereinen soll: das Surface-Conduction Electron-Emitter Display (SED), das Toshiba und Canon gemeinsam entwickelt haben.
Die beiden japanischen Firmen haben einen ersten Prototyp der neuen Fernsehbildschirm-Generation auf der Konsumelektronikmesse CES im Januar 2006 in Las Vegas vorgestellt. Flach, schnell und stromsparend sollen die SED-Bildschirme sein. Ihre Farbwiedergabe soll nahezu die gleiche Qualität haben wie die eines Röhrenfernsehers. Den Zuschauern bietet die neue Technologie ein ausdrucksvolles und kräftiges Fernsehbild, versprechen die Entwickler von Toshiba und Canon. Sogar seinen stärksten Konkurrenten, das Plasmadisplay, lässt der SED-Monitor blass aussehen. Er ist wie ein Röhrenmonitor vollständig ausgeleuchtet und bietet aus allen Blickrichtungen ein gleich gutes Bild. Mit einer sehr kurzen Reaktionszeit von etwa einer Millisekunde können SED-Fernseher bei der Schaltzeit glänzen.
Im vierten Quartal 2007 sollen die ersten Fernsehgeräte mit SED-Technik auf den japanischen Markt kommen und ihre versprochenen Fähigkeiten in der TV-Realität unter Beweis stellen. In Europa muss man sich voraussichtlich bis zum Jahr 2008 gedulden. Die ersten TV-Geräte werden über eine 140 Zentimeter große Bilddiagonale (55 Zoll) verfügen und eine hohe Auflösung von 1920 mal 1080 Bildpunkten bieten. Neben der technischen Leistung darf man auch auf den Preis gespannt sein, der sich laut Ankündigung von Canon und Toshiba auf einem höheren Niveau bewegen wird als der von LCD-Geräten.
In Zukunft wird sich aber nicht nur bei flachen Fernsehern etwas bewegen. Auch die Zeit des elektronischen Papiers soll 2007 endlich anbrechen. Das E-Papier besteht aus robustem elektrisch leitendem Kunststoff. Um den Namen „Papier” zu verdienen, muss das Material dünn und flexibel sein Die Darstellung von Buchstaben und Bildern geschieht mithilfe von so genannter elektronischer Tinte.
Statt Bücher, Magazine und Zeitungen mit sich herumzuschleppen, soll man in Zukunft vom PC aus alle wichtigen Informationen in Form von digitalen Dateien auf elektronische Bücher, die E-Books, ziehen können. Die E-Books nutzen das Prinzip des elektronischen Papiers. Dieses wird auf eine Plastikunterlage aufgebracht, in die ein Akku integriert ist. Das ermöglicht dem Leser, ganze Zeitungen und Buchinhalte digital wiederzugeben. Die Akkus eines E-Books halten lange durch, da es Strom nur zum „Umblättern” benötigt. Ist ein Bild erst einmal erzeugt, bleibt es ohne weitere Energiezufuhr erhalten. Da es keine dauerhafte Hintergrundbeleuchtung gibt, kann man die auf elektronischem Papier wiedergegebenen Informationen allerdings nicht im Dunkeln lesen sondern braucht eine helle Umgebung.
Die Technologie könnte zukünftig in Kaufhäusern die bisher gebräuchlichen Preisschilder aus Papier ablösen. Denn die elektronische Darstellung bietet große Vorteile: Die Händler können ihre Kunden damit leicht und schnell auf neue Angebote hinweisen und per Knopfdruck beliebige Informationen zu der Ware anzeigen lassen.
Dass im E-Papier viel Potenzial steckt, zeigen die aktuellen Prototypen. Die Firma Fujitsu brachte Ende 2006 das erste bunte elektronische Papier auf den Markt, das aus drei unterschiedlich farbigen Schichten besteht und Bilder ohne aufwendiges weiteres technisches Equipment wie Polarisatoren und Farbfilter in guter Qualität wiedergibt. Ein erster hauchdünner Bildschirm aus E-Papier existiert bereits in den USA: Einem Team von Wissenschaftlern am Rensselaer-Forschungsinstituts in Troy im Bundesstaat New York ist es gelungen, Kohlenstoff-Nanoröhrchen in flexiblen Kunststoff einzubetten. Daraus ist eine elektrisch leitfähige Haut geworden, die nur wenige Mikrometer dünn ist. Auf dieser Basis wollen die Forscher auch die ersten Bildschirme aus elektronischem Papier entwickeln, die sich einfach zusammenrollen und überallhin mitnehmen lassen. ■
Sandra Murr
Ohne Titel
LCD (Liquid CrYstal Display)
Flüssigkristall-Displays (LCD) nutzen die optischen Eigenschaften bestimmter Kristalle, die Licht unter einem bestimmten Winkel ablenken. Die stäbchenförmigen Flüssigkristalle werden zwischen zwei Glasplatten eingeschlossen. Durch Anlegen einer elektrischen Spannung kann man den Ablenkwinkel verändern, wodurch sich die Lichtdurchlässigkeit der LCD-Zelle vermindert. Damit der Wechsel von hell nach dunkel nicht abgehackt erscheint, muss die Spannung stufenlos erzeugt werden. Das funktioniert auf einer mit Transistoren besetzten Folie. Neben der Helligkeit steuert sie die Farbwiedergabe des Displays. Um ein farbiges Bild zu erzeugen, enthält jeder Bildpunkt drei Zellen, vor denen je ein Farbfilter für die Farben rot, blau oder grün sitzt. Die gewünschte Farbnuance auf dem Display wird durch additive Farbmischung erzielt, das heißt durch eine Kombination dieser drei Grundfarben.
Das Problem bei LCD-Monitoren: Die Flüssigkristalle sind träge. Die Kristalle richten sich nur langsam aus und erzeugen dadurch Schlieren und unscharfe Umrisse im Bildverlauf. Besonders deutlich wird die Trägheit bei schnellen Bewegungsabläufen, etwa in Videospielen und Sportsendungen. Die LCD-Hersteller versuchen, bei ihren Geräten die Schaltzeiten immer weiter herunterzusetzen. Um die trägen Kristalle rascher in Bewegung zu bringen, wird ein höherer oder niedrigerer Spannungsimpuls als benötigt angelegt. Das verstärkt die Spannungsunterschiede an den Kristallen, die sich dadurch schneller ausrichten.
PlasmaDisplay
Bei einem Plasmadisplay befinden sich zwischen zwei Glasplatten je nach Bildqualität bis zu mehrere Millionen kleine Kammern. Je drei Kammern zusammen ergeben ein Pixel. Jede einzelne Kammer leuchtet entweder rot, grün oder blau. Die gewünschte Farbe erhält man – wie bei einem LCD – durch Mischen dieser drei Komponenten. Die Kammern sind mit einem Gemisch aus den Edelgasen Neon und Xenon gefüllt, teilweise auch mit Helium. Ihre Wände sind mit Leuchtstoffen, so genannten Phosphoren, ausgekleidet – sie funktionieren also wie Neonröhren. Zum Erzeugen eines Bildes ist jede Kammer mit einem eigenen Transistor ausgestattet, der sich individuell ansteuern lässt. Die Transistoren dienen dazu, an die Kammer für die Dauer von etwa 10 Nanosekunden eine elektrische Spannung anzulegen. Dadurch wird aus dem Edelgasgemisch ein Plasma. Bei Zusammenstößen zwischen schnellen Elektronen und positiv geladenen Ionen im Plasma wird ultraviolette Strahlung erzeugt. Trifft sie auf den Leuchtstoff, wandelt er das unsichtbare ultraviolette in sichtbares – rotes, blaues oder grünes – Licht um.
OLED (Organische Licht emittierende Dioden)
OLEDs enthalten eine dünne Schicht aus einem transparenten organischen Material, das sich zwischen zwei Glasplatten befindet. In diese Schicht werden über elektrische Kontakte Elektronen und „Löcher” – positiv geladene Atome mit einem fehlenden Elektron – injiziert. Durch die Spannung angetrieben, wandern die Löcher und Elektronen, bis sie schließlich aufeinander treffen. Sie vereinigen sich und senden dabei Licht aus: Das Display leuchtet. Durch Farbstoff-Moleküle lässt sich auch farbiges Licht erzeugen. Ein Problem bei OLEDs ist derzeit noch das unterschiedlich schnelle „Altern” der verschiedenen Farben. Der Grund: Die Licht erzeugende Schicht zersetzt sich. Das größte Sorgenkind ist dabei die Farbe Blau, die am schnellsten ausbleicht.
SED (Surface-conduction electron-emitter Display)
Der Aufbau eines SED-Bildschirms ähnelt dem eines Röhrenmonitors: Zur Bilderzeugung werden Elektronen durch einen winzigen Spalt auf eine mit Leuchtstoff beschichtete Bildfläche geschossen. Jeder Bildpunkt verfügt dabei allerdings über eine eigene Elektronenquelle – im Unterschied zu einem Röhrenmonitor, bei dem alle Pixel durch einen einzigen Elektronenstrahl beschossen werden, der in rascher Folge Zeile für Zeile über den Bildschirm streicht. Die Elektronenquellen eines SED sind netzartig und dicht an der Bildfläche angeordnet. Dadurch lassen sich vergleichbar flache Fernsehgeräte bauen wie mit der LCD- oder Plasmatechnologie.
Elektronisches Papier
Beim elektronischen Papier werden Texte und Bilder auf einem leitfähigen Kunststoff mit „elektronischer Tinte” dargestellt. Die Tinte besteht aus schwarzen oder weißen Partikeln, die in mit Flüssigkeit gefüllten Mikrokapseln eingebettet sind. Die Kapseln stecken zwischen zwei Folien aus transparenten Elektroden. Sobald an diese eine Spannung angelegt wird, wandern die weißen Partikel an die Oberfläche und die schwarzen Partikel ins Innere des Displays. Je nachdem, wo sich die schwarzen Tintenteilchen befinden, entstehen dunkle oder helle Bildpunkte. Auf diese Weise entsteht ein Schwarz-Weiß-Bild, das sich aus jedem beliebigen Blickwinkel ablesen lässt.
Ohne Titel
Plasmafernseher gelten als Stromfresser. Durch die ständigen Zündvorgänge in den zahlreichen Plasmazellen des Displays bringen sie es, je nach Bildschirmgröße, auf eine Leistungsaufnahme von etwa 300 bis 580 Watt. Das ist deutlich mehr als bei LCD-Geräten, deren Leistungsaufnahme laut Herstellerangaben rund 130 bis maximal 300 Watt beträgt. Allerdings: Während die Hintergrundbeleuchtung eines LCDs unabhängig vom Fernsehbild stets die gleiche Menge an Strom frisst, hängt der Stromverbrauch eines Plasmamonitors – ebenso wie der eines Röhrenfernsehers – davon ab, was auf dem Display dargestellt wird. Je heller das Bild, desto mehr elektrische Energie ist nötig, um es zu erzeugen. Daher entsprechen die Leistungsdaten in den technischen Angaben zu einem Plasmagerät dem maximalen Energieverbrauch – der tatsächliche Bedarf liegt in der Regel deutlich niedriger. Das belegt ein Vergleichstest der Fachzeitschrift video, bei dem der Stromverbrauch von Fernsehgeräten aller drei Technologien unter realen Nutzungsbedingungen mit verschiedenen Filmen gemessen wurde (video 9/2006). Das Resultat: Wie viel ein Fernseher im Durchschnitt an elektrischer Energie schluckt, hängt vor allem vom jeweiligen Modell ab. Dabei fressen manche LCD-Fernseher mehr Strom als vergleichbare Plasmageräte derselben Größe. Und selbst auf die einfache Grundregel „je größer das Display, desto größer der Stromverbrauch” kann man sich nicht verlassen: So schluckte ein LCD-Gerät mit 106-Zentimeter(42 Zoll)-Monitor von Philips im Testbetrieb mehr Energie als ein LCD-Fernseher von Toshiba mit 119-Zentimeter(47 Zoll)-Monitor.
Ohne Titel
Während sich die Gesamtzahl der in Deutschland verkauften Fernsehgeräte im letzten Jahr kaum verändert hat − sie stieg von 5,6 Millionen 2005 auf 5,7 Millionen 2006 –, verschoben sich die Anteile der unterschiedlichen Technologien stark. Der Prozentsatz der LCD-Fernseher verdoppelte sich laut vorläufigen Daten der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) 2006 gegenüber dem Vorjahr von 22,1 auf 44,5. Auch Plasmageräte waren 2006 deutlich mehr gefragt. Dagegen sind die Verkaufszahlen von Röhrenfernsehern stark rückläufig. Ihr Anteil sank auf unter 50 Prozent. Noch klarer zeigt sich dieser Trend wegen des höheren Preises von Flachfernsehern beim Umsatz: Flache TV-Geräte (LCD und Plasma) haben die dicken Röhrenfernseher bereits 2005 mit einem Marktanteil von fast zwei Dritteln deutlich überflügelt.





