Ein Bad in einer speziellen organischen Lösung kann alte Manuskripte vor dem Zerfall retten: Die Alkalisalze und Antioxidantien in der Lösung binden in den mittelalterlichen Tinten die freien Kupferatome, welche die Schriftstücke zerstören. Jana Kolar von der Universitätsbibliothek in Ljubljana und ihre Kollegen haben ihre Methode nun zum Patent eingereicht.
Mittelalterliche Schriftstücke werden vielfach durch die Tinte zerstört: Die ätzende Schreibflüssigkeit frisst Löcher in die Dokumente und lässt sie schließlich zerfallen. Viele der im Mittelalter benutzten schwarzen Tinten enthielten Eisen, hatten frühere Studien ergeben. Wenn freie Eisenatome mit der Luft reagieren, entstehen Sauerstoffradikale. Diese zerstören die Zellulose, den Hauptbestandteil von pflanzlichen Zellwänden und damit von Papier. Das Dokument wird gelb und brüchig ? einige Jahrhunderte später zerfällt es gänzlich. Blaue Tinten enthielten zusätzlich Kupfer, Chrom und Mangan, stellten Kolar und ihr Team fest. Die Wirkung dieser drei Metalle zusammen ist noch verheerender als die von Eisen.
Im menschlichen Körper verhindern Radikalfänger und Antioxidantien Zellschäden, indem sie reaktive Atome abfangen. Dieses Prinzip wandten die Wissenschaftler nun auch auf antike Schriftstücke an: Antioxidantien und Halogenide binden die Kupferatome und verhindern so den Zerfall des Dokuments, Alkalisalze machen das Papier weniger sauer. Angewendet werden diese chemischen Substanzen in einer organischen Lösung aus Heptan und Ethanol ? Stoffe, die schnell verdampfen und deshalb leicht vom Papier entfernt werden können.
Die Konservierungsmethode von Kolar ist die erste, die nicht auf Wasser basiert. Deshalb kann sie auf Dokumente angewendet werden, ohne dass lösliche Beschriftungen weggewaschen oder die Ledereinbände ruiniert werden. Zudem quellen die Bücher nicht auf, wie sie es üblicherweise tun, wenn sie in Kontakt mit Wasser kommen. Die Lebenserwartung antiker Dokumente soll durch diese Behandlung um mehr als das Zehnfache erhöht werden, erklärt Kolar. Weitere Untersuchungen sollen die Anwendbarkeit dieser Konservierungsmethode auf Leder und Seide überprüfen.
Nature, Online-Dienst
(doi:10.1038/news050905-7)
ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi





