Wenn die Sonne in der Nase kitzelt
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Wenn die Sonne in der Nase kitzelt

<span class="fotohinweis"> · Foto: Ricardo Martins

Schon den griechischen Universalgelehrten Aristoteles beschäftigte im vierten Jahrhundert vor Christus die Frage, warum manche Menschen beim plötzlichen Blick ins Licht niesen müssen, andere aber nicht. Er machte dafür die Wärme der Lichtquelle verantwortlich, was insofern verwundert, als auch kaltes Licht das Niesen auslöst. Heute wissen wir über dieses Phänomen – die meisten Betroffenen müssen innerhalb von 20 Sekunden bis zu dreimal niesen – zwar deutlich mehr, aber ganz klar ist die Sache nach wie vor nicht.
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Fest steht, dass der sogenannte photische Niesreflex (vom altgriechischen Wort photos für Licht) ungefähr jeden vierten Menschen – Frauen etwas häufiger als Männer – betrifft und oft mit einer Nasenscheidewandverkrümmung korreliert ist. Entscheidend für die Auslösung ist, dass der Lichteinfall plötzlich erfolgt, eine langsame Helligkeitszunahme hat dagegen keine Wirkung.

Ob man zu den Betroffenen gehört, hängt von den Eltern ab, ist also genetisch determiniert, wobei es ausreicht, wenn entweder der Vater oder die Mutter das verursachende Gen an die Nachkommen weitergibt. Man spricht in solchen Fällen von dominanter Vererbung. Die kennt man unter anderem auch von der „Fähigkeit“, die Zunge zu rollen oder nach Spargelgenuss übelriechende Ausscheidungen zu produzieren. Verfügt mindestens ein Elternteil über diese genetische Variante, sind auch sämtliche Nachkommen betroffen.

Was löst nun aber den Reflex aus? Darüber gehen die Meinungen der Wissenschaftler auseinander. Die einen sehen die Ursache in einer abnormen Reaktion des sensiblen Trigeminus-Nervs, der sämtliche Empfindungen im Bereich des Gesichts an das Gehirn meldet. Er setzt sich aus drei Ästen – einem oberen um Stirn und Augen, einem mittleren in Höhe der Wangen und einem unteren im Unterkieferbereich – zusammen. Und von diesen drei Ästen reagiert bei den meisten Menschen nur der obere auf Licht, wohingegen bei etwa einem Viertel auch der mittlere darauf anspricht. Das wiederum hängt vermutlich damit zusammen, dass bei ihnen der Sehnerv ungewöhnlich nahe am Trigeminus verläuft. Bei plötzlichem Lichteinfall springen demnach elektrische Impulse vom Sehnerv auf den zweiten Trigeminusast über, und das wird vom Gehirn als Reizung der Nasenschleimhaut interpretiert, die daraufhin das Niesen auslöst.

Andere Forschende sehen den Parasymphatikus-Nerv als Schuldigen an. Der gehört mit seinem Gegenspieler, dem Sympathikus-Nerv, zum vegetativen Nervensystem, das unsere unwillkürlichen Körperfunktionen wie Herzschlag und Verdauung steuert. Besagter Parasympathikus ist bei plötzlich einfallendem Licht auch noch für andere Reaktionen verantwortlich, so zum Beispiel für die Bildung von Tränenflüssigkeit, um das Auge vor Austrocknung zu schützen. Ist dieser Befeuchtungseffekt sehr stark ausgeprägt und bezieht auch die Nasenschleimhaut mit ein, löst das damit verbundene Kitzeln möglicherweise den photischen Niesreflex aus. Aber auch das ist nur eine unbewiesene Theorie.

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