Der Grund für die Erstarkung der Akkus ist wie beim Solarboom 2010 das liebe Geld. Bezieht ein Haushalt seinen Strom heute aus dem Netz, zahlt er rund 25 Cent pro Kilowattstunde. Dieselbe Menge Strom aus einer Zelle vom Dach kostet etwa die Hälfte. Davon profitiert besonders, wer auch noch eine Batterie im Keller stehen hat. Denn die ermöglicht es einem Haushalt, ungefähr 60 Prozent des selbst produzierten Stroms auch selbst zu nutzen. Ohne Batterie liegt der Anteil bei gerade mal 30 Prozent.
Die Anzeichen, dass die Branche Fahrt aufnimmt, mehren sich: In deutschen Kellern stehen inzwischen über 15.000 Batteriesysteme. Für mehr als 10.000 davon haben ihre Besitzer zur Finanzierung einen Kredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau in Anspruch genommen. Der Kredit lockt zudem mit guten Konditionen; er ist mit einem staatlichen Tilgungszuschusses von bis zu 30 Prozent des Kreditvolumens kombiniert. Gleichzeitig fällt der Preis für Batterien. Im letzten Jahr um etwa ein Viertel, in den nächsten zwei Jahren rechnen Experten mit weiteren zehn Prozent pro Jahr.
Autofirmen investieren in Stromspeicher
Diesen eindeutigen Trend haben inzwischen auch deutsche Firmen erkannt. Nachdem Tesla und BMW schon länger in die Weiterentwicklung stationärer Speicher investieren, kündigte vergangene Woche auch Daimler an, bis Ende des Jahres an Kunden des süddeutschen Energiekonzerns EnBW Heimspeicher auszuliefern.
Neben den großen Autoherstellern positionieren sich derzeit auch einige kleinere Unternehmen am Markt, die den Strom der Hausbesitzer mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen in ihre Akkus lenken wollen. Die Strombank etwa möchte in zentralen Speicherservern große Kapazitäten anlegen, die dann stückweise an Kunden vermietet werden. Die Schweizer Firmen Fenecon und Ampard hingegen wollen mehrere Heimspeicher zu einem virtuellen Netz zusammenfassen und dessen Leistung als Regelstrom anbieten, also zum Überbrücken kurzer Spannungseinbrüche im Netz.
Strom aus dem Keller
Auch in der Forschung wächst inzwischen zusammen, was zusammen gehört: Im kürzlich veröffentlichten Branchenwegweiser “Solar.Strom.Speicher 2015” des Deutschen Cleantech Instituts werden erstmals Photovoltaik und Batteriespeicher gemeinsam abgehandelt. Das Helmholtz-Institut für elektrochemische Energiespeicherung in Ulm hat in Zusammenarbeit mit dem Karlsruhe Institut für Technologie eine gewaltige 76-Kilowattstunden-Batterie im Keller installiert, die dafür sorgt, dass die gesamte Produktion der hauseigenen Photovoltaik-Anlage selbst genutzt werden kann.
Die Ansätze sind vielfältig und – egal, welches Modell sich durchsetzen wird -, die nächsten Jahre gehören der Batterie. Vielleicht erhält dank ihr auch die Solaranlage wieder Aufwind. Denn eines kann die Batterie trotz der neuen Stärke nicht: sich selbst aufladen.





