bild der wissenschaft: Das MP3-Verfahren ist quasi zum Standard für die Komprimierung von Audiodateien geworden. Was zeichnet es gegenüber konkurrierenden Verfahren aus? Brandenburg: MP3 stellte zum Zeitpunkt der Entwicklung den Stand der Technik dar. Damals konnte mit keinem anderen Verfahren eine bessere Qualität bei geringen Bitraten erreicht werden. Heute gibt es zwar bessere Verfahren, etwa AAC, aber MP3 hat eine so große Verbreitung, dass alle wichtigen Softwaretools und Geräte es unterstützen. bdw: Ist in MP3 ein Kopierschutz integriert? Brandenburg: Ja, aber der ist so einfach, dass er nicht wirklich einen Schutz gegen Kopien darstellt. Es handelt sich um das so genannte Serial Copy Management (SCMS), das etwa bei DAT-Recordern angewandt wird. Kopierprogramme auf dem PC kümmern sich nicht um diese Bits in den Audiodaten – damit ist der Schutz auf dem PC wirkungslos. Schon seit Mitte der neunziger Jahre gibt es auch Systeme, die MP3-Daten durch Verschlüsselung schützen. MP3 lässt sich zudem mit anderen digitalen Systemen zum Schutz von Urheberrechten, so genannten DRM-Systemen, kombinieren. bdw: Wird das ebenfalls in Ihrem Institut entwickelte neue AAC-Format MP3 dennoch ablösen? Brandenburg: Ich sehe verschiedene Märkte für die beiden Datenformate. MP3 hat die nötige Marktbreite und wird von so vielen genutzt, dass es nicht so schnell abgelöst werden dürfte. Im Augenblick stellt sich eher die Frage: Welches Verfahren wird sich neben MP3 als weiterer Standard, zum Beispiel zum Komprimieren von Audiodaten mit Mehrkanalton oder Videos, etablieren. Da hat AAC gute Chancen. Erste MP3-Player, die AAC lesen können, gibt es bereits zu kaufen. In Japan senden der Digitale Rundfunk und das Digital-TV im AAC-Format. bdw: Wie wird die Entwicklung weitergehen? Sind technisch noch deutliche Verbesserungen möglich? Brandenburg: Bei Videoformaten wird gerade an einer weiteren Steigerung der Kompressionsraten gearbeitet. Wenn man eine höhere Komplexität der Verfahren in Kauf nimmt, ist wohl ein weiterer Faktor zwei möglich. Bei Audioformaten mit niedrigen Bitraten sind außerdem noch Verbesserungen drin, wenn man geringe hörbare Unterschiede zum Original akzeptiert. Bei Audioformaten für CD-Qualität hat es schon seit fünf Jahren keinen klaren Fortschritt mehr gegeben. Das muss nicht heißen, es geht nicht mehr weiter – allerdings sind Verbesserungen, wenn es sie überhaupt geben wird, erst in fünf bis zehn Jahren zu erwarten.
Ralf Butscher





