Für die Festlegung von Grenzwerten ist eine genaue Kenntnis über die natürlich vorkommende Konzentration der untersuchten Stoffe, deren Ein- und Austragswege und gegenseitigen Wechselwirkungen erforderlich. Beispielsweise ist die natürliche Bleikonzentration in sauberen Gewässern normalerweise unter 0,1 Mikrogramm pro Liter. Durch Rohre und Armaturen kann das beim Verbraucher aus der Leitung kommende Wasser eine zehn- bis hundertfache höhere Bleikonzentration haben ? was jedoch nach der Kenntnis der Analytiker noch weit unter der möglicherweise gefährdenden Maximalwert-Konzentration liegt.
Neue Stoffe und geringe Konzentrationen haben kürzlich Meßverfahren und Analytiker am Bodensee auf die Probe gestellt: Untersuchungen auf 65 verschiedene Arzneitmittel-Wirkstoffe (darunter Schmerzmittel, Lipidsenker, Antibiotika und Röntgenkontrastmittel) zeigten, dass ein Drittel davon in geringen Konzentrationen nachweisbar waren. Allerdings nur in den Zuflüssen und den Mündungsbereichen. Im tiefen See ? wo das Trinkwasser gewonnen wird ? finden sich hingegen nur noch Spuren im Bereich der Nachweisgrenzen.
Auch hormonell wirksam werdende Stoffe beschäftigen in jüngster Zeit die Wissenschaftler. Es handelt sich dabei um natürliche Hormone, wie beispielsweise Phytoöstrogene, aber auch um Industriechemikalien wie PCB, DDT, Weichmacher oder bestimmte Tenside. Diese Verbindungen können möglicherweise das Reproduktions-Verhalten von Wassertieren beeinflussen. So wurde im die Feminisierung männlicher Fische im Ablaufbereich von Kläranlagen mit diesen Stoffen in Verbindung gebracht. Um diese hochkomplexen Ursache-Wirkungs-Beziehungen belegen zu können, bedarf es allerdings noch intensiver Forschung.
Weitere Information zu Analyse-Methoden für Wasser-Qualtität finden Sie im bdw-ticker Archiv.




