Betrügerische Online-Shops gibt es schon länger. Doch heute wirken sie nicht mehr billig und zusammengeschustert, sondern überzeugen durch seriöses Aussehen, vermeintlich regionale Herkunft, emotionale Bilder und berührende Backstorys. Warum wir trotz aller Vorsicht immer wieder auf solche Shops hereinfallen, hat der Neuromarketing-Experte Jan Michael Rasimus von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe erforscht. Er erklärt, warum unser Gehirn bei bestimmten Signalen besonders anfällig ist.

Emotionale Inhalte wecken Mitleid und Vertrauen
Fake-Shops sind längst nicht mehr schlecht übersetzte Webseiten mit auffälligen Fehlern. Immer häufiger präsentieren sich solche Online-Sites mit hochemotionalen, frei erfundenen Geschichten: ein alteingesessenes Modehaus aus Hamburg, das beim letzten Ausverkauf große Rabatte verspricht, eine ältere Kunsthandwerkerin, deren großer Traum zu zerplatzen droht, oder ein Familienunternehmen, das nach vielen Generationen schließen muss.
Solche Geschichten appellieren oft auch an die Hilfsbereitschaft. Der Kauf wirkt dann nicht mehr nur wie ein gutes Angebot, sondern wie Unterstützung für einen kleinen Betrieb, ein Lebenswerk oder eine vermeintlich bedrohte Existenz. „Viele Fake-Shops verkaufen nicht zuerst ein Produkt, sondern eine emotionale Vertrauenskulisse“, sagt Rasimus. „Das Gehirn bekommt eine stimmige Geschichte, passende Bilder und eindeutige Signale. Dadurch entsteht sehr schnell das Gefühl: Das sieht seriös aus, das fühlt sich gut an, hier kann ich bedenkenlos kaufen.“
KI macht den Betrug glaubwürdiger
Dass solche Shops heute so professionell wirken, hängt auch mit neuen technischen Möglichkeiten zusammen. KI-Tools erzeugen mit wenig Aufwand Produkttexte, Gründerstorys, Bewertungen, Übersetzungen, Bilder und Service-Chats. Zusammen mit Baukastensystemen, einfachen Bezahllösungen und automatisierter Social-Media-Werbung lassen sich solche Shops schnell aufbauen und verbreiten.
„KI nimmt dem Betrug zudem viele seiner alten Erkennungsmerkmale“, erklärt Rasimus. „Was früher durch holprige Sprache, schlechte Bilder oder seltsame Formulierungen auffiel, kann heute glatt, lokal und emotional überzeugend wirken.“ In den sozialen Medien kommt KI auch zum Einsatz, um den Fake-Shop oder vermeintliche Schnäppchen dieser Online-Plattformen durch gefälschte Bilder oder Videos bekannter Influencer zu bewerben.





