Auf der Suche nach der evolutionären Daseinsberechtigung für Großmütter werteten Virpi Lummaa und ihre Kollegen von den Universitäten in Turku und Sheffield finnische und kanadische Geburts-, Heirats- und Sterberegister aus dem 18. und 19. Jahrhundert aus ? und wurden fündig: Je älter in den vorindustriellen Gesellschaften die Großmütter wurden, desto mehr Enkelkinder gab es in den Familien. War die Großmutter da, begannen erwachsene Kinder früher damit, selber Familien zu gründen, bekamen ihre Kinder schneller hintereinander und schlossen ihre Familienphase später ab. Außerdem überlebten in Familien mit Großmüttern mehr Enkelkinder.
Wahrscheinlich habe die Großmutter ihren erwachsenen Kindern einerseits durch ihre Erfahrungen helfen können, während sie ihnen andererseits Arbeit bei der Versorgung der Enkelkinder abnahm. Dadurch konnten sich die Eltern mehr Nachwuchs leisten als ohne die Hilfe der Großmutter, schreiben Lummaa und Kollegen. So habe die Großmutter sehr effektiv für die Weitergabe der eigenen Gene gesorgt. Interessanterweise endete die Lebenserwartung der Großmütter im Schnitt dann, wenn die eigenen Kinder die Wechseljahre und damit das Ende ihrer fruchtbaren Jahre erreichten. Dies sei ein weiteres Indiz dafür, dass die Versorgung der Enkelkinder tatsächlich der Faktor war, der das lange Leben der Großmütter begünstigt habe.




