Franke befragte Autofahrer, die auf Car-Sharing umgestiegen sind. Die Antworten zeigen, dass das Aufgeben des eigenen Autos nicht leicht fällt. “Ein Grund dafür ist die Macht der Gewohnheit”, sagt Sassa Franke. Man ist es gewohnt, das Auto jederzeit und flexibel zur Verfügung zu haben, ohne vorher planen zu müssen. “Dieses eingespielte Verhalten wirkt entlastend”, erklärt Franke. “Gewohnheiten verringern den Zwang zu ständigen Entscheidungen im Alltag und tragen dazu bei, wiederkehrende Aufgaben schnell bewältigen zu können. Die Komplexität des Alltags wird vermindert.” Erst wenn sich diese Gewohnheiten ändern, ständige Mobilität nicht mehr selbstverständlich ist und die meisten Wege im Alltag mit Bus, Bahn oder Fahrrad zurückgelegt werden, ist ein Umsteigen auf Car-Sharing denkbar.
Ein weiterer Aspekt ist das Car-Sharing-Angebot: Die hiesigen Car-Sharing Unternehmen müssten ihr Image als “Ökoprojekt” loswerden und sich zu professionellen Service-Anbietern wandeln. Die Unternehmen müssten vereinfachten Zugang und flexible Nutzung ermöglichen, geht aus der Studie hervor. Die Zusammenarbeit mit öffentlichen Verkehrsbetrieben und die Abstimmung auf das gesamte Verkehrs-System müssten verbessert werden.
Eine andere Situation herrscht in der Schweiz. Hier wächst die Zahl der Car-Sharing Kunden schnell. Das Angebot, das in der Hand eines einzigen Unternehmens liegt, ist mit der Schweizer Bundesbahn und vielen Verkehrsbetrieben abgestimmt. Etwa 38.500 Kunden nutzen den Service.
In Deutschland liegt die Zahl der Car-Sharing Kunden mit 40.000 gemessen an der Einwohnerzahl vergleichsweise niedrig. Ein Grund dafür liegt in dem zersplitterten und uneinheitlichen Angebot der mehr als 80 Anbieter und der oft fehlenden Kooperation mit öffentlichen Verkehrsbetrieben. Neuere Studien rechnen mit sieben Millionen potenziellen Kunden. Ein verbessertes Angebot und die Umstellung der Alttagsgewohnheiten könnten das Car-Sharing zukünftig attraktiver werden lassen.





