Der Einsatz von Virtual Reality-Technologien (VR) ist im Gaming und der Unterhaltung weit verbreitet. In diesen virtuellen Welten haben Menschen manchmal das Gefühl, Dinge zu berühren, obwohl sie tatsächlich nur auf virtuelle Objekte stoßen. Unter welchen Umständen dieses Gefühl auftritt und ob alle Menschen es erleben, hat eine Forschungsgruppe um Artur Pilacinski vom Klinikum der Ruhr-Universität Bochum genauer untersucht. Dafür ließen die Neurowissenschaftler 36 Versuchspersonen Virtual-Reality-Brillen tragen und VR-Szenarien durchleben. Darin sollten die Testpersonen die Hände ihres Avatars mit einem virtuellen Stab oder einem Laserpointer berühren und berichten, ob sie etwas empfinden.
Phantom-Berührungen lösen Kribbeln aus
32 der 36 Probanden fühlten dabei tatsächlich eine Berührung an der entsprechenden Stelle ihrer echten Hände – obwohl kein physischer Kontakt zwischen virtuellem Stab und Körper stattfand. „Die meisten Versuchspersonen beschrieben die Phantom-Touch-Illusion als Kribbeln oder prickelndes, elektrisierendes Gefühl, oder auch als ob Wind durch ihre Hand wehen würde“, berichtet Pilacinski. Dieses Gefühl erlebten die Versuchspersonen sowohl auf der Handfläche als auch an den Fingern oder der Handrückseite. Einige fühlten die Phantom-Berührung sogar an ihren Unterarmen, die in der virtuellen Realität gar nicht sichtbar waren, wie die Forschenden weiter berichten. Allerdings spürten die Probanden die vermeintliche Berührung meist nur, wenn sie einen virtuellen Stab verwendeten. Der virtuelle Laserpointer löste in den Versuchen hingegen nur bei wenigen Personen ein Berührungsgefühl aus.
„Das deutet darauf hin, dass unsere Wahrnehmung und unser Körpergefühl nicht nur auf visuellen Aspekten basieren, sondern auf einer komplexen Kombination aus vielen Sinneswahrnehmungen und der internen Vorstellung des eigenen Körpers“, sagt Co-Autorin Marita Metzler von der Ruhr-Universität Bochum. Was genau dabei in unserem Körper – insbesondere in unseren Nervenzellen – passiert, wollen die Forschenden in Folgestudien herausfinden. Diese Untersuchungen müssen beispielsweise klären, ob die biologischen Prozesse beim Phantom-Touch den Empfindungen realer Berührungen der Haut entsprechen oder „nur“ Einbildung im Gehirn sind.
Pilacinski und seine Kollegen vermuten, dass beim Phantom-Touch ein umgekehrter biologischer Prozess stattfinden könnte, wie wenn wir uns selbst kitzeln. In diesem Fall fühlen wir die reale Berührung weniger intensiv, weil wir mit ihr gerechnet haben. Unsere Nerven werden dann weniger stark angeregt. Umgekehrt könnte in der virtuellen Welt allein die Erwartung einer Berührung dazu führen, dass unsere Nervenzellen ein Berührungssignal erhalten, vermuten die Forschenden.





