Einer der bestechenden Vorteile des Internet gegenüber anderen Medien ist die einfache Verknüpfung von Texten, Bildern, Grafiken und Videofilmen auf einer Webseite. Doch blinden oder sehbehinderten Menschen bleibt diese multimediale Welt bisher weitgehend verschlossen. Die beiden Informatiker Patrick Roth und Lori Petrucci von der Computer Vision Group an der Universität Genf haben eine Software entwickelt, die Bilder, Grafiken und andere Elemente einer Webseite in Töne übersetzt.
Die Tonsprache „WebSound” erlaubt es, visuelle Informationen über das Gehör aufzunehmen und so den Aufbau einer Webseite zu erkunden. Dazu werden jedem Element charakteristische „Hör-Icons” zugeordnet. Bewegt ein Blinder den Mauszeiger über den Bildschirm, hört er verschiedene Töne – und erkennt daran, ob er gerade ein Bild, einen Text, einen Link zu einer anderen Seite oder ein Eingabefeld vor sich hat. Schon bald soll er zudem anhand der Töne unterscheiden können, ob es sich bei einem grafischen Element um eine Linie, einen Kreis oder eine farbige Fläche handelt.
Bisher konnten blinde oder sehbehinderte Menschen Texte aus dem Internet nur „betrachten”, indem sie sich diese per Sprach-Synthesizer vorlesen oder durch eine sogenannte Braillezeile in Blindenschrift übersetzen ließen. Die Braillezeile mußten sie an einem speziellen Monitor ertasten. Eine Version des WebSound-Programms, das in den letzten Monaten mit Blinden und Sehbehinderten intensiv getestet wurde, kann aus dem Internet unter www. websound.unige.ch/download.html kostenlos heruntergeladen werden.
Ralf Butscher





