Wenn wir in Ohnmacht fallen oder im Rahmen einer Narkose betäubt werden, verlieren wir das Bewusstsein. Wir nehmen unsere Umwelt nicht mehr bewusst wahr und verlieren die aktive Kontrolle über unsere Muskeln. Trotzdem ist unser Gehirn auch unter Narkose nicht komplett ruhiggestellt, wie Studien belegen. Zwar verändern sich die Muster der Hirnaktivität auf charakteristische Weise, dennoch reagiert das betäubte Gehirn auf bestimmte Sinnesreize – auch wenn diese nicht mehr in unsere bewusste Wahrnehmung vordringen.
Was passiert im bewusstlosen Gehirn?
Aber wie viel bekommen wir unter Narkose wirklich mit? Kann das bewusstlose Gehirn beispielsweise gehörte Sprache verarbeiten? „Prominente Bewusstseinstheorien postulieren, dass die nötige fortgeschrittene Mustererkennung, semantische Interpretation und prädiktive Verarbeitung nur bei Zugang zum Bewusstsein möglich sind“, erklären Kalman Katlowitz vom Baylor College of Medicine in Houston und seine Kollegen.
Dem widersprechen allerdings Studien, die durchaus Hinweise auf eine komplexe Reizverarbeitung unter Narkose festgestellt haben. „Dies legt nahe, dass neuronale Schaltkreise – selbst höherer Ebenen fern von Rezeptoren und motorischen Effektoren – auch bei gestörtem Bewusstsein noch Sinneseindrücke und ihre Strukturen verarbeiten können“, so die Forschenden. Sie haben deshalb die Chance genutzt, bei Hirnoperationen die Sprachverarbeitung unter Narkose noch einmal zu testen.

Blick in den Hippocampus unter Vollnarkose
Für ihre Tests nutzten Katlowitz und sein Team spezielle Elektroden, um die Aktivität von hunderten einzelnen Neuronen im Hippocampus von sieben Epilepsie-Patienten aufzuzeichnen. Diese Hirnregion gehört nicht zu den primären Sprachzentren des Gehirns, spielt aber eine wichtige Rolle für das Sprachverständnis und die semantische Einordnung sprachlicher Informationen. Der Hippocampus repräsentiert damit eine der höheren Verarbeitungsstufen von Sinneswahrnehmungen, die bisher als eng mit dem Bewusstsein verknüpft galten.





