von REINHARD BREUER
Der Begriff „meta“ ist griechisch und bedeutet „jenseits“. Als Zusatz bezeichnet er einen neuen Werkstofftyp mit Eigenschaften, die den Substanzen erst durch eine künstlich geschaffene Struktur verliehen werden. Gegenüber herkömmlichen Werkstoffen sind solche „jenseitigen“ Materialien vielseitiger, leichter, hitzebeständiger oder halten länger, manchmal auch all das zusammen – und leisten deutlich mehr.
Immer mehr Metamaterialien mit fantastischen Eigenschaften werden bereits technisch eingesetzt. Beispiele sind „intelligente“ Antennen und Mikrowellenleiter sowie Superlinsen, die Licht auf ungewöhnliche Weise beeinflussen. Auch Solarzellen lassen sich mit Metamaterialien effizienter gestalten. Manche dieser Werkstoffe können ihre Form verändern, andere dämpfen unliebsame Schwingungen oder Lärm. Kraftwerke, Häfen und ganze Städte sollen sich damit gegen Erdbeben wappnen lassen.
Die Experten unterscheiden mehrere Varianten der künstlichen Werkstoffe, etwa optische, akustische und mechanische Metamaterialien, mit überraschenden Anwendungen, darunter Tarnkappen für Licht, die den Wirkungsgrad von Solarzellen verbessern.
Beginn vor 100 Jahren
„Ideen für Metamaterialien gibt es schon lange“, berichtet Martin Wegener, Wissenschaftler am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Bereits in den 1920er-Jahren versuchte der finnische Physiker Karl F. Lindman in Helsinki, mit metallischen Spiralen elektromagnetische Wellen zu beeinflussen.
1968 spekulierte der russische Physiker Viktor Veselago, was wäre, wenn man die elektrischen und magnetischen Merkmale von transparenten Stoffen so verändern könnte, dass sie sich völlig anders verhielten als normale Stoffe, etwa Glas. Veselago war überzeugt, damit ganz neue Phänomene hervorzubringen: Elektromagnetische Wellen könnten verkehrt herum laufen oder Licht in eine andere Richtung gebrochen werden. Allerdings ließ sich das nicht experimentell überprüfen, da solche Substanzen Ende der 1960er-Jahre noch nicht existierten.
Erst im Jahr 2000 gelang es dem US-amerikanischen Physiker David R. Smith und seiner Forschungsgruppe im kalifornischen San Diego, im Labor das erste Metamaterial herzustellen: einen speziell strukturierten Stoff, der einen negativen Brechungsindex besaß – und dadurch bei Licht den gegenteiligen Effekt einer normalen optischen Linse bewirkte.
Der Bauplan für eine Tarnkappe
Doch der Weg bis zu praktischen Anwendungen war noch weit. 2006 zeigten der britische Physiker John Pendry und sein deutsch-britischer Kollege Ulf Leonhardt, wie sich aus einem Metamaterial eine „Tarnkappe“ konstruieren lässt. Solch ein Werkstoff macht ein Objekt unsichtbar, weil es das Licht um den Gegenstand herumleitet. Dazu stellten die Forscher den Brechungsindex des Tarnmaterials so ein, dass es für die elektromagnetische Wellen energetisch günstiger war, das Objekt zu umlaufen, als von ihm abgelenkt oder gestreut zu werden.






