Mit überkritischem Kohlendioxid können Fraunhofer-Forscher gesundheitsgefährdende Holzschutzmittel, wie DDT und Lindan, aus Kunstwerken entfernen. Dazu setzen sie das Gas unter Druck, damit es den so genannten überkritischen Zustand erreicht. In diesem vereint es die Eigenschaften eines Gases und einer Flüssigkeit und kann die Pestizide aus dem Holz lösen.
Bis zu 75 Prozent des Lindans und bis zu 90 Prozent von DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) entfernen die Wissenschaftler vom Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) in Oberhausen mit dieser Methode. Das Holz quillt nicht auf und Temperaturen von 40-45 Grad Celsius müssen nicht überschritten werden.
Für die Extraktion packen sie Holzproben in eine Druckkammer, leiten Kohlendioxid ein und legen Druck an. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist herauszufinden, wie vorsichtig man dabei vorgehen muss, um die Kunstobjekte nicht zu beschädigen, meint Andreas Weber vom UMSICHT. Zu schneller Druckauf- oder -abbau kann die Hölzer beschädigen.
Probleme gibt es noch bei Lacken oder Farben, in denen sich Kohlendioxid löst. Dazu zählt zum Beispiel Schellack, dieser wird nach der Kohlendioxidbehandlung trüb. Die Forscher testen daher unterschiedliche Materialien und planen einen Verfahrenskatalog, der zusammenfaßt, welche Hölzer und Substanzen sie mit dieser Methode entgiften können.
Als nächstes Projekt wollen die Wissenschaftler Orgelpfeifen einer Dresdener Stiftskirche entgiften. Diese ist so stark mit DDT belastet, dass die Chemikalie als weiße Schicht auskristallisiert. “Wenn man die Orgel spielt, schneit es und zwar DDT”, sagt Andreas Weber.
Lindan, DDT und PCP (Pentachlorphenol) verwendeten Handwerker und Künstler bis in die achtziger Jahre, um Hölzer vor Insekten- und Pilzbefall zu schützen. Heute ist bekannt, dass diese Stoffe die Raumluft belasten. Lindan und DDT stehen im Verdacht, Krebs zu erregen.
Überkritisches Kohlendioxid wird schon seit längerem in der Lebensmitteltechnologie eingesetzt, zum Beispiel um Koffein aus Kaffee zu extrahieren. Es ist eine umweltfreundliche Alternative zu vielen anderen Lösungsmitteln: die Wissenschaftler können es aus der Luft gewinnen und, nachdem es seine Dienste geleistet hat, auch wieder in die Luft abgeben.
Barbara Witthuhn





