Ein reiner Triebwerksausfall stellt für gut ausgebildete Piloten kein ernsthaftes Problem dar. Er wird im Training regelmäßig geprobt. Die Maschinen sind darauf ausgelegt, mit dem verbliebenen Triebwerken sicher zum nächsten Flughafen zurückzukehren. Selbst Triebwerksbrände sind beherrschbar. Das Triebwerk wird abgestellt, und der Brand mittels eines speziellen Systems gelöscht. Erheblich gefährlicher wird es beim Abbruch eines Triebwerkes, der im Regelfall auf Bolzenschäden zurückzuführen ist. Wenn dieser Bruch zu schwerwiegenden Schäden an der mit Treibstoff gefüllten Tragfläche führt, droht eine Katastrophe. Erst recht, wenn eine Triebwerksschaufel bricht und in einer Art Kettenreaktion zu einer Explosion führt. Unfälle nach Triebwerksschäden kommen nur sehr selten vor. Dass überall und selbst in Deutschland bei den Kontrollen immer wieder mal geschludert wird, wurde vor vier Jahren offenbar: Eine führende deutsche Ferienfluggesellschaft feuerte drei leitende Mitarbeiter, weil eine Boeing 767 mit Haarrissen an der Triebwerksaufhängung weiter eingesetzt wurde und Reparaturaufforderungen seitens des Herstellers Boeing nicht befolgt worden waren.
Zwei Tage nach dem Absturz eines Airbus A300-600 über dem New Yorker Stadtteil Queens ist die Unglücksursache noch immer nicht eindeutig geklärt. Nach Spekulationen über einen möglichen Sabotageakt kristalisiert sich als wahrscheinlichste Ursache immer deutlicher ein Defekt eines Triebwerks. Kaum ein Bauteil, das so stark belastet wird. Jeder Materialfehler, jeder Ermüdungsbruch, jeder Haarriss oder jeder Schaden im Triebwerksinneren kann zur Katastrophe führen, wenn er nicht rechtzeitig erkannt wird.
Rund 25.000 Einzelteile hat ein großes modernes Triebwerk, darunter über 3.000 Schaufeln. Und jede dieser Schaufeln muss jahrelang einen Gasstrom aushalten, der mit über 1.700 Grad Celsius mit enormen Geschwindigkeiten aus der Brennkammer tritt. Das Labyrinth der Schaufelkränze bewegt sich mit 10.000 Umdrehungen in der Minute. Trotzdem halten moderne Triebwerke problemlos 10.000 Stunden und mehr in dieser Hitze-Hölle aus. Das bedingt nicht nur die Verwendung hochwertiger Materialien, sondern auch eine peinlich genaue Überwachung. Dass es trotz ausgereifter Kontrollsysteme immer wieder Triebwerksausfälle und sogar Zwischenfälle gibt, bei denen Triebwerke buchstäblich abbrechen, hat unterschiedliche Ursachen. Es kann selbst bei bester Kontrolle ein Schaden auftreten, der übersehen worden war. Auch können Defekte entstehen, die vorher nicht erkennbar waren.
bdw/dpa





