Zu den spannenden Momenten der Wissenschaftsgeschichte in den 1950er-Jahren gehört das Rennen um die Aufklärung der DNA-Struktur – und damit des Erbmaterials von Zellen –, die heute als Doppelhelix fast jeder kennt. Auf dem Weg zur entscheidenden Einsicht mussten sich die beteiligten Biochemikerinnen und andere Forscher zwischen zwei Formen der DNA entscheiden: der sogenannten A- und B-Form. Schließlich machte die B-Form das Rennen, weil sie einfacher erschien.
So schön, so gut, doch in den 1970er-Jahren berichteten sowjetische Wissenschaftler von einer dritten Form des Erbmaterials, die sie Z-DNA nannten. Die hatten sie gefunden, als sie verstehen wollten, warum die beiden Stränge der DNA eines Bakteriophagen – eines Virus, das Bakterien angreift – fester miteinander verbunden sind, als dies in der üblichen Doppelhelix der Fall ist. Bei genauerem Nachsehen stellten die Forscher fest, dass die in der Standardform auftretende Base mit Namen Adenin durch eine Variante ersetzt worden war, die sie Z nannten und die ihren vertrauten Partner T (für Thymin) statt mit zwei nun mit drei Wasserstoffbrücken binden konnte.
Die Natur hat offenbar nicht auf den Menschen mit seinen biotechnologischen Möglichkeiten gewartet, um eine Alternative zu dem genetischen Alphabet zu schaffen, von dem die Lehrbücher der Molekularbiologie berichten. Die Bakteriophagen verfügen sogar über spezialisierte Enzyme, um Gene mit der alternativen Base Z zu versehen. Eine spannende Frage lautet, was die Natur mit dem erweiterten Alphabet des Lebens ausdrücken und hervorbringen kann, und ebenso, ob die dritte Form des Erbmaterials auch außerhalb der Virenwelt anzutreffen ist und zum Beispiel irgendwo in den menschlichen Chromosomen biologische Aufgaben übernimmt, um ein gesunden Leben zu sichern.
Und da es um die Vererbung geht, muss auch die Frage erlaubt sein, ob die Natur uns durch die dritte Form der DNA nicht mit der molekularen Nase auf das alte Problem stößt, an dem Charles Darwin sich abgearbeitet hat. Er wollte verstehen, warum es nur genau zwei Geschlechter gibt. Vielleicht gibt es doch mehr, wie er damals hoffte und wie der heutige Blick auf die Erbsubstanz erkennen lässt. Tertium non datur, meint der Logiker. Ein Drittes gibt es nicht. Doch, sagt die Natur. Kaum zu glauben!





