Macht das Internet dumm? So mancher würde diese Frage kurzum mit „Ja” beantworten und dann fröhlich seines Weges gehen. Der amerikanische Wissenschaftsautor Nicholas Carr macht es sich nicht so leicht: Er hat ein ziemlich dickes Buch geschrieben, bevor er zu diesem Ergebnis kommt. Frank Schirrmacher schafft es im Vorwort schneller, auf gut vier Seiten: „Multitasking zerstört Nachdenklichkeit, Reflexion, zerstört Denken überhaupt”, schreibt der Mitherausgeber der FAZ. Eine These, die Carr mit zahlreichen Verweisen auf Forschungsergebnisse und Statistiken belegt, Selbsterkenntnisse und Selbstversuche inbegriffen.
Wie wirkt sich Technik, zumal Kulturtechnik, auf den Menschen aus? Was geschieht unter dem Einfluss des Internets mit Fertigkeiten wie Lesen und Schreiben – was passiert, wenn sie verkümmern, mit Köpfen, Büchern und Zeitungen? „Das Internet ist eine Technologie der Vergesslichkeit”, behauptet der Autor, der Umgang mit ihm verän- dere fundamental unsere Art zu kommunizieren und zu denken. Er zitiert Hirnforscher, die herausgefunden haben, dass die Nutzung von Computern und Smartphones auch auf unsere Gehirnstruktur Einfluss nimmt – und zwar nicht zu unserem Vorteil.
Es wäre zu billig, den Autor in die gestrige Ecke abzuschieben, wo Kulturpessimisten und Nostalgiker verstauben. Dagegen spricht seine Kompetenz. Er ist auch nicht der Erste, der sich kritisch mit der digitalisierten Gegenwart auseinandersetzt. Aber einen wunden Punkt hat er offenbar getroffen: Die Blogosphäre kocht vor Wut. Hans Schmidt
Nicholas Carr WER BIN ICH, WENN ICH ONLINE BIN … UND WAS MACHT MEIN GEHIRN SOLANGE? Karl Blessing, München 2010 382 S. € 19,95 ISBN 978–3–89667–406–7





