Nicht absolut, aber technisch rein
Manchmal können verschmutzte Instrumente für erstaunliche Entdeckungen sorgen und die Menschheit ein Stück voranbringen. So wie im Jahr 1928 die verschmutzte Petrischale im Labor von Alexander Fleming, durch die der Bakteriologe auf die keimtötende Wirkung eines Schimmelpilzes aufmerksam wurde und das Penicillin entdeckte. Derartig bahnbrechende Ergebnisse durch Unsauberkeiten sind allerdings eher die Ausnahme als die Regel. Für zahlreiche moderne Produkte und Produktionsabläufe in der technischen Industrie ist Technische Sauberkeit (TecSa) gefragt, um komplexen Anforderungen gerecht zu werden.
Eine absolute Sauberkeit gibt es nicht. Daher wird ein Bauteil als technisch sauber bezeichnet, wenn der Grad der Verunreinigung ausreichend gering ist. Es geht darum, sicherzustellen, dass Materialien und Bauteile frei von Verunreinigungen, Partikeln, Rückständen oder anderen Fremdkörpern sind, die ihre Funktionstüchtigkeit beeinträchtigen könnten. In Branchen wie der Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt, Elektronik und Medizintechnik ist Technische Sauberkeit von entscheidender Bedeutung, um die Leistung, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit der Produkte sicherzustellen. Um eine Technische Sauberkeit zu erreichen, muss während des Herstellungsprozesses, der Montage oder Verpackung eine gründliche Kontrolle bezüglich Staubs, Öl, Chemikalien oder anderen Verunreinigungen stattfinden. Die Einhaltung bestimmter Standards, Richtlinien und Reinheitsanforderungen ist oft erforderlich, um die Technische Sauberkeit zu gewährleisten und sicherzustellen, dass komplexe Produkte den spezifizierten Anforderungen entsprechen.
Die Technische Sauberkeit kann durch die Menge der Restverschmutzung auf der Oberfläche definiert werden. Um den Zustand der Sauberkeit festzustellen, werden Partikel auf Bauteilen, Produkten und Systemen in Anzahl, Größe und Zusammensetzung bestimmt. Die Grenzwerte für die Verunreinigung von Bauteilen können je nach Anforderungen unterschiedlich festgelegt sein. Auf Technische Sauberkeit spezialisierte Unternehmen können das Controlling übernehmen und die Einhaltung bestimmter Normen und Werte erleichtern.
Regelwerke und Richtlinien
Um eine Technische Sauberkeit besser definieren, einhalten und prüfen zu können, sind in jüngerer Vergangenheit Regelwerke und Richtlinien für verschiedene Bereiche der technischen Industrie entstanden
Zu Beginn der 2000er Jahre wurde der Industrieverbund TecSa gegründet. Man entwickelte das umfangreiche Regelwerk VDA Band 19‚Prüfung der Technischen Sauberkeit – Partikelverunreinigung funktionsrelevanter Automobilteile‘. Das Regelwerk informiert über bestimmte Verfahren für die Extraktion von Verunreinigungen auf der Oberfläche von Bauteilen, stellt Analyseverfahren zum Messen der Sauberkeit vor und gibt Anleitungen für die Dokumentation der Prüfungsergebnisse. Im Jahr 2010 kam zusätzlich die Leitlinie VDA 19.2 heraus. Diese soll dabei unterstützen, Prozesse derart zu planen und zu verbessern, dass Verunreinigungen in der Produktionskette gar nicht erst entstehen. Darüber hinaus gibt es die internationale Norm ISO 16232. Diese ist mit der deutschen Norm VDA 19 komplett kompatibel. Der ‚Leitfaden Technische Sauberkeit in der Elektrotechnik‘ wurde vom Verband der Elektro- und Digitalindustrie herausgegeben. Standards in der Medizinindustrie setzt Blatt 21 zur Reinraumtechnik im Handbuch VDI 2083.





