Bei Schlafapnoe erschlafft im Schlaf die Zungen- und Rachenmuskulatur, sodass die Atemwege vorrübergehend kollabieren und es zu Atemaussetzern kommt. Dadurch fällt die Sauerstoffsättigung im Blut ab und der Körper schaltet in den Alarmmodus. Der Herzschlag beschleunigt sich und Betroffene wachen häufig auf, , sodass ihr Schlaf weniger erholsam ist. Zudem steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weitere gesundheitliche Probleme. Als Goldstandard-Therapie gilt bislang eine kontinuierliche Überdruckbeatmung (CPAP). Dazu müssen die Betroffenen Nacht für Nacht eine Atemmaske tragen, die die Atemwege mit leichtem Überdruck offen hält. Obwohl diese Therapie bei richtiger Anwendung gut hilft, empfinden viele Patienten die Maske als störend und unpraktisch und berichten von Problemen bei der Nutzung. Die geringe Akzeptanz führt dazu, dass viele Betroffene bisher keine geeignete Therapie erhalten.
Weniger Atemaussetzer
Doch bald könnte ein neues Medikament Abhilfe schaffen: Eine Tablette, die täglich vor dem Schlafen eingenommen wird, soll die Atemwegsmuskulatur stabilisieren und so die Atemwege offen halten. Wie ein Team um Patrick Strollo von der University of Pittsburgh berichtet, führte das Medikament namens AD109 in einer klinischen Phase-3-Studie zu einer deutlichen Reduktion der Atemaussetzer und einer verbesserten Sauerstoffversorgung. Die Ergebnisse decken sich mit denen aus früheren klinischen Studien.
An der Studie nahmen 646 Menschen an 69 Zentren in den USA und Kanada teil, die eine CPAP-Behandlung nicht vertragen oder abgelehnt hatten. Die Schweregrade der Schlafapnoe variierten bei den Teilnehmenden von leichten Formen mit fünf bis 15 nächtlichen Atemaussetzern pro Stunde bin hin zu schweren Formen mit mehr als 30 Atemaussetzern pro Stunde. Bei den Personen, die AD109 erhielten, traten nach einer Behandlungszeit von 26 Wochen durchschnittlich 3,3 Atemaussetzer weniger pro Stunde auf, in der Placebo-Gruppe 0,7 Aussetzer mehr. Bei rund 40 Prozent der Behandelten halbierte sich die Zahl ihrer nächtlichen Atemaussetzer und 22,3 Prozent brachten es sogar auf unter fünf Atemaussetzer pro Stunde, was dem Normalwert ohne Schlafapnoe entspricht.
Kombinierte Wirkung
Auch weitere Messwerte verbesserten sich: So stieg die Sauerstoffsättigung im Blut an und die hypoxische Belastung sank. Das galt sowohl für normalgewichtige Personen, als auch für Menschen mit Übergewicht oder Adipositas. Die Nebenwirkungen waren überwiegend mild. Am häufigsten berichteten die Testpersonen über Mundtrockenheit, Übelkeit, Schlaflosigkeit und Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Rund 21 Prozent der Freiwilligen aus der Behandlungsgruppe und drei Prozent aus der Placebogruppe brachen die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen ab. Im Rahmen der Studie war es nicht vorgesehen, die Dosis zu reduzieren. In der klinischen Praxis bestünde dagegen die Möglichkeit, die Dosis individuell einzustellen und auf diese Weise Nebenwirkungen womöglich zu reduzieren, wie das Team erklärt.





