Tastatur und Maus, Trackball oder Touchpad gehören heute genauso selbstverständlich zu einem mobilen Rechner wie der Monitor. Wenn es nach dem Willen des Softwareriesen Microsoft geht, sollen diese herkömmlichen Eingabemedien aber bald der Vergangenheit angehören. Die Zukunft, so die Vision des Unternehmens, gehört so genannten Tablet-Computern – extrem flachen tragbaren PCs, die mithilfe eines Stifts bedient werden. Mit ihm kann man durch Menüs und Dateiordner navigieren oder per Handschrift Texte und Skizzen in den Rechner eingeben. Tablet PCs sollen ein einfaches und natürliches Arbeiten ermöglichen – und herkömmliche Notebooks ersetzen.
Dafür hat Microsoft die neueste Version des Windows-Betriebssystems so modifiziert, dass es mit dieser Art der Bedienung zurechtkommt. Die „Windows XP Tablet PC Edition” sowie erste Tablet-Rechner, die damit arbeiten, sind seit kurzem erhältlich. Ihr wichtigstes Merkmal ist eine neue Technik der Schrifterkennung. Sie basiert auf einem digitalen Stift, der, während er über das Display bewegt wird, elektromagnetische Signale aussendet. Unter dem Display angebrachte Sensorantennen fangen die Signale auf und bestimmen daraus die eingegebenen Buchstaben und geometrischen Formen. Mit einer „digitalen Tinte” werden handschriftliche Notizen und Skizzen auf dem Monitor dargestellt. Je nachdem, welchen Druck man auf den Stift ausübt, werden die Linien dicker oder dünner gezeichnet.
Anders als bei bisherigen Pen-Computern oder PDAs mit Stifteingabe kommt bei Tablet PCs á la Microsoft kein berührungsempfindliches Display zum Einsatz. Daher kann man sich während des Schreibens oder Zeichnens mit der Hand auf dem Display aufstützen, ohne dadurch unbeabsichtigte Eingaben auszulösen. Andererseits können die Sensoren die Stiftbewegungen bereits ab einer Entfernung von etwa einem Zentimeter zwischen Stift und Bildschirm erfassen.
Gespeichert wird die Handschrift in einem speziellen Dateiformat. Es zeichnet die Schrift nicht Pixel für Pixel auf, sondern speichert alle Eingaben in Form von mathematischen Beschreibungen ihrer charakteristischen Kurvenzüge. Dadurch benötigen die Dateien besonders wenig Speicherplatz, während gleichzeitig eine hohe Geschwindigkeit bei der Verarbeitung der Daten möglich ist. Die Eingaben lassen sich als handschriftliche Kommentare direkt in Programme wie Word, Powerpoint, Excel oder in E-Mails einfügen – oder zuvor in eine Darstellung durch Druckbuchstaben verwandeln.
Die ersten Tablet PCs unterscheiden sich durch zwei prinzipiell verschiedene Designvarianten. So genannte Convertibles sehen aus wie gewöhnliche Notebooks: Sie haben eine Tastatur und einen Touchpad. Allerdings lässt sich ihr Bildschirm um 180 Grad drehen und umklappen. So entsteht ein flaches Tablett, das sich mit dem digitalen Eingabestift bedienen lässt. Diese Form besitzen der Acer Travelmate C102, der Compaq TC 1000 von Hewlett-Packard und der Toshiba Portege 3500. So genannte Slates, „digitale Schiefertafeln”, sind dagegen von vornherein weder mit Tasten noch mit einem Maus-Ersatz bestückt. Sie lassen sich ausschließlich per Eingabe mit dem digitalen Stift benutzen. Tastatur und Maus können jedoch zusätzlich angeschlossen werden. Erste Geräte dieser Bauart bieten Fujitsu-Siemens (Stylistic ST 4000), Viewsonic (V 1100) und PaceBlade Technology (PaceBlade Tablet) an. Die Preise der Tablet PCs bewegen sich etwa zwischen 2500 und 4000 Euro.
Ralf Butscher





