Wenn deutsche Behörden einkaufen, werden wie vor 50 Jahren Anforderungsformulare ausgefüllt und Leistungen in Amtsblättern ausgeschrieben. Dabei könnte der Einkauf von Waren und Dienstleistungen via Internet jährlich Milliardensummen sparen, haben Wissenschaftler der Universität Witten-Herdecke jetzt errechnet.
80 Prozent der Behördenmitarbeiter in Deutschland haben noch keine Erfahrung mit elektronischem Einkauf, berichtet Stephan A. Jansen, Leiter der Studie “Electronic Government” von der Universität Witten-Herdecke. Nur neun Prozent der Behörden verfügten über elektronische Systeme zur Vergabe von öffentlichen Aufträgen.
Während eine herkömmliche Ausschreibung durchschnittlich 477 Mark koste, lägen die Kosten beim Einsatz eines Online-Dienstes bei rund 100 Mark, so Jansen. Kritik habe sich Deutschland auch schon bei der Europäischen Union eingehandelt: Nur fünf Prozent der Aufträge von Ländern und Kommunen würden grenzüberschreitend vergeben – Deutschland stelle innerhalb der EU damit das Schlusslicht dar. Staatsaufträge ab rund 400.000 Mark oder öffentliche Bauaufträge von knapp zehn Millionen Mark müssen europaweit ausgeschrieben werden. Mangelnde Internet-Kenntnisse seien dabei jedoch hinderlich.
Viele Kommunen verfügten zwar über eigene Internet-Portale, diese seien jedoch auf andere Gemeinden nicht übertragbar. Zahlreiche Städte und Gemeinden arbeiteten an der Planung unwirtschaftlicher Eigenlösungen, um sich im kommunalen Wettbewerb zu profilieren. Der Betrieb und die Erstellung solcher Internet-Portale koste jährlich zwischen 2,5 und zehn Milliarden Mark. In deutschen Amtsstuben werden für Waren und Dienstleistungen jährlich erhebliche Summen ausgegeben: insgesamt 500 Milliarden Mark oder 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Die Studie erscheint Ende Juli 2001 unter dem Titel: “Electronic Government – Neue Potentiale für einen modernen Staat” in Buchform beim Klett-Cotta-Verlag.
Almut Bruschke-Reimer





