Sein Unternehmen lebt weiter, und die Jugend verehrt ihn.
Schwarze Kleidung trug sie damals nicht. Aber Jeannette Weedermann aus Santa Clara brachte Steve Jobs Blumen aus ihrem Garten, als sie kurz nach der Bekanntgabe seines Todes von einer spontan errichteten Gedenkstätte auf dem Apple-Campus im benachbarten Cupertino hörte. „Niemand hat unser Leben so beeinflusst wie er”, begründet die 37-jährige Lehrerin ihren Kondolenzbesuch. Denn Produkte wie iPad und iMac sind aus ihrem Haushalt nicht mehr wegzudenken.
Zweifelsohne hat der charismatische US-Unternehmer in Rollkragenpulli und Jeans wie kaum ein Zweiter den Alltag vieler Amerikaner verändert. Dem mit 56 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorbenen Jobs gelang es, innerhalb von nur kurzer Zeit gleich mehrere Industriezweige zu revolutionieren: PC, Mobiltelefonie, mobile Computer, Film, Musik und Einzelhandel. „Und genau das ist sein Vermächtnis”, sagt Walter Isaacson, Autor der immer noch in den Bestseller-Listen präsenten Steve-Jobs-Biografie. „Er erschuf eine der erfolgreichsten Firmen weltweit, die an der Schnittstelle von Mensch und Technik operiert, und dies wird wahrscheinlich für die kommende Generation so bleiben.”
Das sind hohe Erwartungen an Tim Cook, den jetzigen Chef – auf gut Amerikanisch: CEO – von Apple. Momentan erfüllt er sie: Die Firma fährt Rekordgewinne ein – allein im Quartal April bis Juni 2012 waren es knapp 9 Milliarden US-Dollar (7,3 Milliarden Euro) – , im Herbst erscheint ein neues Betriebssystem (iOS6), und Cook verspricht in einer aktuellen Pressemitteilung aufregende Produkte, die bei Apple in der Pipeline stecken. Offensichtlich kann der neue CEO seine Mitarbeiter motivieren, auch ohne sie – wie es Jobs öfters tat – als „Arschlöcher” zu bezeichnen.
Dass Cook vieles richtig macht, finden auch die amerikanischen Verbraucher. Das in Texas ansässige Marktforschungsinstitut iGR wollte wissen, ob sich das Image der Firma, die seit ihrer Gründung 1976 fast ununterbrochen mit der Person Jobs verbunden war, durch sein Ableben am 5. Oktober 2011 verändert hat: „Nein, es gibt keinen Unterschied”, fanden 84 Prozent der Befragten, nur 11 Prozent sind unzufrieden. Knapp 5 Prozent haben heute sogar einen besseren Eindruck von Apple als vor Jobs’ Tod. „Apple besitzt weiterhin eine sehr starke Kern-Anhängerschaft”, kommentiert iGR-Präsident Iain Gillott die Ergebnisse. Dem kann Silicon-Valley-Unternehmer Philip Rosedale nur zustimmen. „ Solange Jonathan Ive Chef-Designer bei Apple ist, braucht man sich um die Firma sowieso keine Sorgen zu machen”, findet der 44-jährige Amerikaner, der unter anderem die Online-Welt „Second Life” gegründet hat. Er selbst kannte Jobs und sein Führungsteam von früheren Verhandlungen. „Sicher fehlt Steve mit seiner positiven und negativen Energie”, meint Rosedale, „aber es arbeiten viele beeindruckende Leute bei Apple.”
In Vergessenheit wird Steve Jobs jedenfalls nicht so leicht geraten. Denn dazu steckt er viel zu sehr in den Köpfen der jungen Amerikaner. In einer Umfrage des Lemelson-MIT-Programms zur Förderung der Innovation wurden 16- bis 25-Jährige gefragt, wer der größte Erfinder aller Zeiten sei. Zwar ging der Titel mit großem Abstand an Thomas Edison, der gut 50 Prozent aller Stimmen bekam, aber dann folgt bereits Steve Jobs (25), vor Alexander Bell (10) und Marie Curie (5). Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der vielfach als „der nächste Steve Jobs” gehandelt wird, erhielt nur 3 Prozent der Stimmen. ■
von Désirée Karge





