Als sich die Sonne im August 2026 verdunkelt hat, konnte man die Phase der Totalität gerade mal 2 Minuten und 18 Sekunden lang beobachten (in der Theorie, denn diesen Maximalwert hätte man nur auskosten können, wenn man sich mit einer Schutzbrille auf einem Boot irgendwo im Nordatlantik aufgestellt hätte – an allen anderen Orten war es kürzer). Im August 1999, als von Deutschland und Österreich aus das letzte Mal eine totale Finsternis beobachtbar war, verdunkelte es sich für maximal 2 Minuten und 23 Sekunden. Und auch alle anderen Sonnenfinsternisse der letzten Zeit waren für uns höchstens ein paar Minuten lang zu sehen. Wieso also bekam Jesus damals eine Ausnahme und durfte sich die Totalität ganze drei Stunden lang ansehen?
Weil das mit der Finsternis nur metaphorisch gemeint und die Bibel kein wissenschaftlicher Aufsatz ist! Das wäre die korrekte und langweilige Antwort, und weil wir bei den Science Busters zwar gerne korrekt sind, es aber vermeiden, langweilig zu sein, suchen wir uns eine andere Frage, die wir korrekt und unterhaltsam beantworten können. Nämlich: Ist es überhaupt möglich, dass eine Sonnenfinsternis drei Stunden dauert? Da lautet die Antwort: Eigentlich nicht. Aber theoretisch schon. Nur geht dann die Welt unter – es sei denn, man hat ein sehr schnelles Flugzeug.
Klingt fast nach Zutaten für einem Hollywood Blockbuster. Doch bevor wir uns ansehen, was es damit auf sich hat, sollten wir zunächst eine andere Frage beantworten: Warum gibt es überhaupt Sonnenfinsternisse? Weil der Mond sich vor die Sonne schiebt und ihr Licht blockiert. Und das klappt nur deswegen so gut, weil unser Nachbar im All am Himmel genauso groß aussieht wie unser Stern – was tatsächlich reiner Zufall ist. Der Mond ist zwar circa 400-mal kleiner als die Sonne, aber gleichzeitig auch etwa 400-mal näher an der Erde dran. Das hätte auch anders sein können, ist es zum Glück aber nicht. Und darum kriegen wir spektakuläre Sonnenfinsternisse zu sehen. Aber eben nur ein paar Minuten lang, weil Mond und Erde relativ zueinander und auch relativ zur Sonne kontinuierlich in Bewegung sind. Der Kernschatten, den der Mond auf die Erdoberfläche wirft und in dem man sich befinden muss, wenn man eine totale Finsternis sehen will, bewegt sich mit 2.500 bis 3.000 Kilometern pro Stunde. Und weil der Durchmesser des Schattens nur ein paar Hundert Kilometer beträgt, ist die Show nach ein paar Minuten vorbei. Es dauert mal länger und mal kürzer, je nachdem wie nah sich Sonne, Mond und Erde gerade sind und wie schnell sie sich in dem Moment bewegen. Man kann allerdings ausrechnen, dass die maximal mögliche Dauer der Totalität bei 7 Minuten und 32 Sekunden liegt.




