Alles, was Frauen an Männern verabscheuen, steckt in Michael Beard. Der Physik-Nobelpreisträger steigt jedem Rock hinterher, scheut Verantwortung, mag keine Kinder, denkt nur an sich selbst, ist skrupellos, zynisch und selbstgerecht kurz: Der Romanheld von Solar ist ein richtiger Kotzbrocken. Den Nobelpreis hat er schon früh für eine Arbeit erhalten, die ihn als jungen Wissenschaftler beschäftigte. Danach erlahmt sein Ehrgeiz und er zehrt nur noch von seinem Renommee: Er hält Vorträge und sitzt in Gremien der verschiedensten Art. Erst als ihm die geniale Arbeit eines jung verstorbenen Physikers in die Hände fällt, hat er wieder ein Ziel vor Augen. Er stiehlt die Idee kurzerhand und widmet sich von nun an der künstlichen Photosynthese auch wenn ihm die globale Erwärmung herzlich egal ist.
Der britische Schriftsteller Ian McEwan hat seinen Helden sehr glaubhaft dargestellt, sowohl den intellektuellzynischen Habitus als auch die physikalische Fachkompetenz. Vor allem aber beeindruckt die Charakterisierung des elitären Schmarotzers, dem trotz seiner zunehmenden Körperfülle die Frauen hinterherlaufen. Der Leser schmunzelt schadenfroh, wenn die Medien Michael Beard in die Nähe von Nazis rücken, nachdem er in einer Pressekonferenz unbedacht über die Rolle der Frau in der Physik schwadroniert hat. Und manchem wird er sogar leid tun, wenn er in der eisigen Kälte der Arktis von starkem Harndrang gequält wird. So ganz nebenbei deckt McEwan treffsicher die Schwachstellen im Wissenschaftsbetrieb auf. Ein brillant geschriebenes Buch Leselust pur.
Klaus Jacob