Obgleich die Frage nach der Internet-Scheidung sich an der Oberfläche eines Konflikts zwischen Tradition und Moderne bewegt, ist sie doch auch eine typisch islamische Fragestellung. Denn im Islam sind Scheidungen ? mit oder ohne Internet ? denkbar einfach. Es genügt eine entsprechende Erklärung vor dem Kadi, dem islamischen Richter, damit die Scheidung offiziell ausgesprochen wird.
Abgesehen von der Scheidungsfrage sind in der islamischen Welt zur Zeit alle Standpunkte, von vehementer Befürwortung bis zur entschiedenen Ablehnung des Internets zu finden. Yussef el-Qaradawi, Scheich in Katar und gefürchtete Autorität in der islamischen Welt, hat seit Anfang 1999 nicht weniger als elf Websites über seine Arbeit erstellt. Er lässt kaum eine Gelegenheit aus, reiche Spender der Golfstaaten zur Investition ins Internet aufzufordern. “Alle sind im Internet, da dürfen wir, die Muslime, nicht abseits stehen”, ist sein Motto.
Die gegenteilige Auffassung vertritt der talibanische Außenminister Wakil Ahmed Mutawakel von Afghanistan. Mitte Juli hat er erklärt, dass er den Bürgern jedwede Internet-Verbindung untersagt habe, um sie vor “vulgären, unmoralischen und anti-islamischen Inhalten” zu schützen.
In Saudi-Arabien hat das Informationsministerium ganze Stäbe von professionellen Surfern darauf angesetzt, Internetseiten auf religiöse Korrektheit oder Unbedenklichkeit zu durchforsten.
Das Internet hat in der islamischen Welt noch längst nicht die Bedeutung wie in der westlichen Welt. Dennoch beginnt sich auch im islamischen Raum ein Serviceangebot zu etablieren. So gibt es bereits ein Internet-Portal, das dem Zakat, dem Almosen oder der Almosensteuer, gewidmet ist, was für Muslime ein wichtiges Thema ist. Das Internet-Portal bietet verschiedene Leistungen an, vom Berechnen der persönlichen Zakat-Verpflichtung gemäß des eigenen Einkommens bis hin zum konkreten Kauf eines Hammels für Bedürftige – natürlich mit Kreditkarte.
Weitere Informationen über den Islam aus islamischer Sicht (auf Englisch) im Internet.





