„HANS” ist da. Seit der Saison 2003 sorgt die neueste Schutzvorrichtung in der Formel 1 für zusätzliche Sicherheit der Fahrer. Das von Wissenschaftlern der University of Michigan in Ann Arbor entwickelte System, das ausgeschrieben „Head and Neck Support” heißt, ist in den Fahrersitz integriert. Es besteht aus einem mit dem Oberkörper des Piloten fest verbundenen Kragen aus Kohlefaser, an dem der Helm mit Kunststoffbändern befestigt ist. Hans soll bei einem Unfall verhindern, dass der Kopf des Fahrers nach vorne geschleudert wird und sich dadurch die Wirbelsäule im Nackenbereich überstreckt. Vor Einführung des Schutzkragens musste der Nacken des Piloten die gewaltige Belastung beim Aufprall auffangen, die das bis zu 80fache der Erdbeschleunigung betragen kann.
Im Verlauf der über 50-jährigen Geschichte der Formel 1 wurde immer mehr Wert auf die Sicherheit der Fahrer und Zuschauer gelegt. Dass das nötig war, belegt die traurige Bilanz des Rennzirkus: Bis in die achtziger Jahre kamen fast jährlich Fahrer bei Unfällen ums Leben. Der schwerste Crash passierte 1955, als der Mercedes von Pierre Leveghin in die Zuschauer flog und über 80 Menschen tötete. In den letzten 20 Jahren gab es dagegen kaum Tote oder Schwerverletzte nach Unfällen.
Während die Piloten in den ersten Jahren weitgehend ungeschützt in ihren Fahrzeugen saßen, führte die FIA Mitte der sechziger Jahre erste Schutzmaßnahmen ein. So begann man, den Fahrern als Warnung Flaggensignale zu zeigen, der Feuerschutz der Autos wurde verbessert, die Benzintanks wurden verstärkt.
Die wichtigste Entwicklung für die Sicherheit der Fahrer war jedoch die Einführung des Monocoques, das für einen sehr guten Schutz bei einem Unfall sorgt. Das geschlossene Cockpit, das sich vom Fußraum des Wagens bis hinter den Sitz erstreckt, bestand bis Mitte der achtziger Jahre aus Aluminium. Heute wird es aus Kohlefaser-Verbundmaterial hergestellt. Das extrem robuste und steife Material sorgt dafür, dass die Sicherheitszelle, die nur etwa 35 bis 40 Kilogramm wiegt, selbst Beschleunigungskräften vom 60fachen der Schwerkraft widersteht, ohne zu zerspringen. Das Monocoque muss laut Reglement so gebaut sein, dass es der Fahrer im Notfall innerhalb von fünf Sekunden verlassen kann. Ein ebenfalls aus Kohlefaser bestehender Helm sowie Rennanzug, Handschuhe und eine Gesichtsmaske aus feuerfestem Material schützen den Piloten zusätzlich bei einem Crash.
Weitere Verbesserungen der Sicherheit könnten beim automatischen elektronischen Einbremsen der Fahrer liegen. Während bislang nach einem Unfall der so genannte Safety Car auf die Piste einbiegt und die Boliden bremst, könnte dann die Rennleitung die Geschwindigkeit der Wagen per Fernsteuerung drosseln. Diskutiert wird auch ein Radarsystem, das helfen soll, Auffahrunfälle bei schlechter Sicht zu vermeiden: Hätte ein Rennwagen ein anderes Fahrzeug direkt vor sich, würde sein Fahrer durch ein elektronisches Signal vor einer Kollision gewarnt. Schwierig dagegen ist es, Airbags in die Boliden einzubauen – bisher ist es nicht gelungen, unter den extremen Rennbedingungen die optimale Empfindlichkeit für deren Auslösung zu finden.
Ralf Butscher





