Im bdw-Techniktest: Die „Giga Box” von Friwo. Wer in seinem Haushalt auf Akkus umstellt, fährt nur dann gut, wenn er beim Ladegerät nicht spart. Die Giga Box ist zwar aufwendig in der Handhabung, aber mit Sicherheit umweltfreundlich.
und funktioniert’s?
“Strom kommt bei uns aus der Steckdose.” Nicht immer: Strom kommt zunehmend auch aus Batterien. Walkman, Wanduhr, Fernseh-Steuerung, Weltempfänger, Gameboy, Taschenlampe – alles funktioniert auch ohne Netzstecker.
Wenn ich die Zahl der üblichen Zylinderbatterien überschlage, die allein in unserem Haushalt stets dienstbereit sein sollen, komme ich locker auf 40. Das ist auch der Grund, warum ich bereits seit Jahren (fast) alle Einwegbatterien durch Akkus ersetzt habe. Bis vor kurzem immer mal wieder mit zweifelhaftem Erfolg, weil ich über den wahren Ladungzustand nie Bescheid wußte. Häufig ging den Geräten unplanmäßig der Saft aus. Etliche Akkus sind durch zahlreiche unkontrollierte Ladevorgänge wohl auch nachhaltig geschädigt.
Jetzt gibt es endlich ein Mikroprozessor-gesteuertes Ladegerät, das mich über den Ladungszustand jeder Batterie informiert und auch noch schnell ist: Selbst hochwertige Mignon-Zellen sind nach eindreiviertel Stunden aufgeladen. Nachdem ein Akku voll ist, schaltet die “Giga Box” des im Consumerbereich weithin unbekannten Herstellers Friwo in eine Erhaltungsladung um.
Die Batterien können so bis zu ihrem Einsatz im angeschalteten Ladegerät verbleiben. Selbst angeschlagene Nickel-Cadmium-Akkus können durch das Gerät wieder hochgepäppelt werden: Durch mehrmaliges kontrolliertes Entladen und Laden erhalten sie ihre frühere Kapazität wieder fast vollständig zurück. Alle Wünsche erfüllt die Giga Box dennoch nicht. Das Display dokumentiert den Zustand des Akkus lediglich qualitativ. Ob die Akkukapazität (bei handelsüblichen Mignonzellen: 700 bis 1200 Milliamperestunden) tatsächlich noch erreicht wird, verrät es nicht. Daran arbeiten die Friwo-Entwickler erst.
Die Technik Mit der Giga Box können eine bis fünf Nickel-Cadmium- oder Nickel-Metallhydrid-Akkus aller handelsüblichen Kapazitäten geladen werden. Der Ladezustand jeder einzelnen Batterie wird durch einen Mikroprozessor kontrolliert.
Wer in seinem Haushalt auf Akkus umstellt, fährt nur dann gut, wenn er beim Ladegerät nicht spart. Die Giga Box ist zwar aufwendig in der Handhabung, aber mit Sicherheit umweltfreundlich.
Er stoppt den Schnelladevorgang, sobald ein Akku voll ist, und verhindert so die bei Schnelladung oft problematische Überladung. Dazu wertet der Prozessor den charakteristischen Spannungsabfall aus, der sich bei Volladung aufgrund eines Temperaturanstiegs im Akku ergibt.
Die Batterien Im Vergleich zu Einweg-Batterien sind Akkus immer noch schwach auf der Brust. Die beste Mignonbatterie des Herstellers Duracell hat eine Kapazität von 2700 Milliamperestunden (mAh), die besten Metallhydrid-Akkus kommen gerade einmal auf 1300 mAh. Vollgeladene Nickel-Cadmium-Akkus sollten alle zwei bis drei Monate aufgefrischt werden, weil ihre Kapazität danach unter 70 Prozent der Volladung gefallen ist. Aufgeladene Nickel-Metallhydrid-Akkus fallen dagegen erst nach einem halben Jahr auf dieses Niveau zurück. Vorsicht: Eine Mischung unterschiedlicher Akkukapazitäten im Stromverbraucher führt zum frühzeitigen Ende der Batterien.
Der Preis Billige Akkuladegeräte gibt es zum Preis von 5 bis 40 Mark. Die Giga Box von Friwo kostet dagegen knapp 200 Mark und amortisiert sich nur bei konsequenter Anwendung für alle batteriegespeisten Geräte im Haushalt. Durch den Mikroprozessor gesteuerten Aufladevorgang erhalten die Batterien ihre Ladekapazität deutlich länger als bei den billigen Geräten. Zielgruppe des Herstellers sind technikorientierte, umweltbewußte Kunden, die wenigstens 12 Aufladebatterien gleichzeitig einsetzen. Trotz des hohen Preises rechnet der Hersteller mit einem Giga Box-Gesamtabsatz von “mehreren 10000 Geräten”.
Die Konkurrenz Ein halbes Dutzend fernöstlicher Hersteller bietet unter gut 40 Produktnamen billige Batterieladegeräte an. Hochwertige Geräte fertigt neben Friwo (Tagesproduktion: rund 150000 Akkus und Netzgeräte vorwiegend für die Industrie) auch die Firma Ansmann, die im Fernen Osten mit deutschem Engineering produziert. Das beste Ansmann-Gerät hat ähnliche Leistungsmerkmale wie die Giga Box, verfügt zwar über kein Display, ist dafür aber etwas preisgünstiger.
Wolfgang Hess





