Tüftler und erfinder ist er schon seit etlichen Jahren. Nun scheint Michael Dehn der große Wurf gelungen zu sein. Der pfiffige Hamburger hat ein völlig neuartiges Belüftungssystem erfunden, das Schuhe und Textilien bei Nässe wasserdicht abschließt und bei Trockenheit für Luftdurchlässigkeit sorgt. Das Problem: „Die bisherigen Materialien, die Schuhe wasserdicht machen, halten zwar die Nässe von Pfützen und Regenwasser ab, doch sie verhindern auch eine ausreichende Durchlüftung des Schuhwerks”, erklärt Dehn. Daher kann Feuchtigkeit, die durch Schwitzen entsteht, nicht ausreichend entweichen und kondensiert in den Schuhen. Ein Teufelskreis: Beim Kondensieren wird Wärme frei – und die Füße schwitzen umso mehr. Die Folge ist ein unangenehmes Mikroklima zwischen Fuß und Sohle.
Anders mit den von Dehn kreierten Ventilationselementen IQ.TEX: Sie sind trotz ihrer abdichtenden Wirkung so durchlässig, dass die Haut gut belüftet wird. Das Prinzip hat Dehn der Natur abgeschaut: „Wie eine Blüte schließt sich das Material bei Regen und öffnet sich wieder, sobald es trocken ist”, erklärt der 34-jährige Erfinder. Um das zu erreichen, verwendet er einen Superabsorber, den die BASF als „Luquafleece” vermarktet. Dabei handelt es sich um einen Vliesstoff, der sehr schnell große Mengen von Wasser aufnehmen kann und dabei stark aufquillt. Er besteht aus vernetzten Polyacrylat-Molekülketten, die locker miteinander verbunden sind. Entscheidend für die extreme Saugfähigkeit ist jedoch die hohe Ionenladung: Sie saugt Wasser in das Netz der Molekülketten hinein. Dehn beschichtete ein dünnes Polster aus diesem Vlies beidseitig mit feinmaschig strukturiertem Kunststoff. Dieses Kissen zerteilte er in mehrere Zellen. „Im trockenen Zustand sind die Zellen so luftdurchlässig, dass die Haut hindurch atmen kann”, erklärt Dehn. Wird das Material aber nass, etwa wenn man in eine Pfütze tritt, quillt das Vlies auf und die Poren schließen sich. „Selbst unter hohem Druck lässt das System dann kein Wasser mehr durch”, versichert der Erfinder. Auch der Luftaustausch wird unterbrochen. Wenn das Material wieder trocknet, schrumpft der Superabsorber zurück auf Normalgröße, und es kommt wieder Luft hinein.
Erste Unternehmen, die Produkte mit eingebauter IQ.TEX-Technologie auf den Markt gebracht haben, sind der Hersteller von Sicherheitsschuhen für Fabrikarbeiter Baak und die Kinderschuhmarke Elefanten. Michael Dehn hofft auf viel mehr: „ Das Ventilationssystem lässt sich auch für Jacken, Handschuhe, Hüte, Schutzhelme und Zelte verwenden”, betont er. Sogar bei Pflastern, Gipsverbänden und elektronischen Geräte könnte es sich nützlich machen. ■
von Ralf Butscher





