von THOMAS BRANDSTETTER
Computer werden immer kleiner. Während die Ungetüme der 1960er-Jahre noch ganze Räume füllten, fanden sie in den folgenden Jahrzehnten bereits in Schränken Platz, bis sie schließlich als PCs auf unseren Schreibtischen landeten. Mittlerweile tragen wir sie sogar in Form von Smartphones ständig mit uns herum. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnten die typischen Abmessungen eines Computersystems noch in diesem Jahrzehnt auf unter einen Millimeter schrumpfen. Und wie bei jedem vorherigen Entwicklungsschritt ist wohl auch dieses Mal mit einer Fülle neuer Anwendungen zu rechnen.
Unter dem Schlagwort „Smart Dust“, also „schlauer Staub“, werden schon jetzt Systeme im Submillimeterbereich zusammengefasst, die mehr sind als einfache Sensoren. Sie versorgen sich selbst mit Energie, indem sie etwa Sonnenlicht oder mechanische Vibrationen in elektrischen Strom umwandeln. Sie messen und verarbeiten Daten wie Temperatur oder Helligkeit und speichern die Werte.
Als führend in der Entwicklung miniaturisierter Computersysteme für zivile Anwendungen gilt die Forschungsgruppe von David Blaauw an der Universität Michigan. 2015 stellte sie mit ihrem „Michigan Micro Mote“ einen Weltrekord auf. Inzwischen hat das 2 mal 2 mal 4 Millimeter kleine Gerät die sichere Laborumgebung verlassen und wird etwa in der Zoologie eingesetzt, um das Verhalten von Schnecken in ihrer natürlichen Umgebung zu studieren. Befestigt am Schneckenhaus misst es über seine Solarzelle die Sonneneinstrahlung, der die Tiere auf ihrer Reise durch den Blätterwald von Tahiti ausgesetzt ist.
2018 hatte dann kurzzeitig Computerriese IBM mit einem nur 1 mal 1 Millimeter kleinen Computer die Nase im Rennen um das kleinste System der Welt vorn. Angaben des Konzerns zufolge ist die Rechenleistung des Winzlings mit der eines handelsüblichen PCs aus dem Jahr 1990 vergleichbar. Doch unmittelbar darauf übernahmen wieder Blaauw und sein Team die Führung. Mit einer Kantenlänge von nur einem Drittel Millimeter gilt deren System noch heute als Rekordhalter, auch wenn umstritten ist, ob es tatsächlich der Definition eines Computers entspricht. Da den Forschern nämlich keine geeignete Batterie in dieser Größenordnung zur Verfügung stand, gehen sämtliche gespeicherten Daten verloren, sobald die Energiezufuhr von außen abbricht.
Kleine Batterien für kleine Computer
„Ohne eigene Energiespeicher sind solche miniaturisierten Systeme nur sehr eingeschränkt einsetzbar“, sagt Oliver G. Schmidt. Und der Physiker von der Technischen Universität Chemnitz präsentiert sogleich die Lösung: Erst Anfang dieses Jahres hat der Professor für Materialsysteme der Nanoelektronik mit seinem Team die „kleinste Batterie der Welt“ vorgestellt. Sie ist aufladbar, kann direkt auf einen Chip integriert werden und benötigt dabei deutlich weniger als einen Quadratmillimeter Platz. „Unsere Batterie speichert schon jetzt genug Energie, um theoretisch einen Micro Mote einige Stunden laufen zu lassen“, sagt Schmidt. Zudem biete der neu entwickelte Herstellungsprozess einiges an Potenzial, um noch wesentlich leistungsstärkere Minibatterien herzustellen.






