Am Esstisch ständig in die gleichen Gesichter zu blicken, kann ganz schön langweilig sein. Ein Ingenieur aus der Schweiz schafft jetzt Abhilfe: Paolo Rais aus Lugano hat einen Tisch entwickelt, dessen Stühle sich im Schneckentempo um die Tischplatte drehen. So ist garantiert, dass niemand länger als zehn Minuten der selben Person gegenüber sitzt.
Ich überlegte, wie es Menschen möglich wird, mit allen Leuten an einer langen Tafel nacheinander ins Gespräch zu kommen, sagt Rais. Denn ein herkömmlicher Tisch lässt eigentlich nur die Unterhaltung mit den Sitznachbarn zu, so der Tüftler. Seine Idee hat Ähnlichkeit mit einem Karussell: Ein Motor dreht 18 Stühle mit einer Geschwindigkeit von neun Zentimetern pro Minute langsam um einen ovalen Tisch herum. Jeder Tischgast gleitet so nacheinander an verschiedenen Personen vorbei und kann dabei normal essen oder trinken. Die Sitznachbarn bleiben dagegen immer die gleichen. Persönliche Gegenstände oder Teller und Besteck des Gastes befinden sich auf einem Tablett, dass sich synchron zum Stuhl mitbewegt.
Der Tisch funktioniert mit zwei versteckten Kettenzügen. Eine Kette zieht die Stühle um den Tisch während eine zweite unter der Tischplatte die Holztabletts bewegt. Damit sich auch jeder Gast bequem setzen kann, lässt sich der Abstand zwischen Tisch und Stuhl verstellen. Sind weniger als 18 Personen anwesend, können nicht benötigte Sitze einfach weggenommen werden.
Rais testete seinen Tisch bereits erfolgreich in einem Restaurant und in einem Konferenzzentrum. Er sucht nun Partnerunternehmen für den kommerziellen Vertrieb, berichtet das Wissenschaftsmagazin “New Scientist”.
Wie der Tisch in der Praxis funktioniert zeigt Rais in einem kleinen Film.
Almut Bruschke-Reimer





