In letzter Zeit trifft die Kritik von Internet-Nutzern immer wieder ein Unternehmen: Facebook. Denn das Soziale Netzwerk hat mit dem Integrieren neuer Anwendungen Datenschützer heftig provoziert. Ziel war, möglichst viele Web-Seiten, Videos, Bilder und Vorlieben von Internet-Nutzern zusammenzuführen. Facebook will das Sammelbecken aller Aktivitäten, Kontakte und Interessen sein, die sich im Web über Mitglieder – und Nicht-Mitglieder – finden lassen. Zwar können die Nutzer selbst bestimmen, welche Daten wem preisgegeben werden. Doch die über 150 Optionen zum Datenschutz überblicken die wenigsten. Und standardmäßig stehen sie auf: kein Datenschutz. Wie groß die Sorge über die Datensammelwut ist, zeigte der „Quit-Facebook-Day” – ein im Netz organisierter Termin, an dem Tausende Menschen kollektiv ihre Mitgliedschaft beendet haben. „Facebook hat wiederholt die Datenschutz-Bestimmungen geändert. Was früher privat war, ist heute öffentlich”, sagt Christian Scholz vom Facebook-kritischen Data Portability Project.
Eine Anti-Facebook-Bewegung ist auch das Projekt „Diaspora”, das vier Studenten der Universität New York vorgestellt haben. Sie wollen eine neue Art von Facebook schaffen. Das Projekt hat im Internet schnell die Runde gemacht – wodurch in fünf Wochen 200 000 Dollar Startkapital zusammengekommen sind. Die Idee ist ein dezentrales soziales Netzwerk. In Deutschland gibt es ähnliche Projekte, etwa „Safebook” des Informatik-Juniorprofessors Thorsten Strufe von der TU Darmstadt. Struve meint: „Meines Erachtens ist es unnötig, Daten zentral zu speichern.” Doch genau dies macht Facebook. Das ist zwar praktisch, aber auch problematisch:
· Das einzige Kapital von Facebook sind die Daten der Mitglieder. Also müssen diese Daten irgendwie zu Geld gemacht werden – etwa durch den Verkauf zu Werbezwecken.
· Facebook ist ein geschlossenes System: Wer seine Mitgliedschaft beendet, verliert die Kontaktdaten seiner Freunde und alle Daten, die er eingestellt und gesammelt hat.
· Im Mai wurde Facebook in Pakistan gesperrt. Der Grund: Online wollten Demonstranten Mohammed-Karikaturen veröffentlichen – als Kritik an Islamisten, die gegen Rede- und Meinungsfreiheit vorgehen. Ein zentrales System ermöglicht Zensur.
Diese Probleme gäbe es nicht, wenn die Daten dezentral gespeichert würden – etwa verteilt auf mehrere Anbieter. Dann könnten die Nutzer ihre Daten dort platzieren, wo sie diese am besten aufgehoben glauben – auch auf privaten Web-Servern oder Smartphones. Damit Nachrichten und Bilder von dort die Netzwerk-Freunde erreichen, braucht man ein Verfahren, über das sich die Speichermedien verbinden und Daten austauschen können. Das ist es, was die Diaspora-Gründer entwickeln wollen – und auch Thorsten Strufe: „Dann gäbe es keine zentrale Stelle mehr, an der jemand übermächtig die Daten einsehen und verändern kann.” ■
von Konstantin Zurawski





