203.000 Liter. 1015 blecherne 200-Liter-Fässer. Das ist die Menge an Kerosin, die in den Tanks eines Jumbo-Jets steckt, wenn er sich schwerfällig von der Startbahn erhebt um mit 900km/h seine über 300 Passagiere zu einem fast 10.000 Kilometer entfernten Ziel zu transportieren. Am Boden können Elektroautos fahren, auf den Weltmeeren Schiffe mit Erdgasantrieb die bisherigen schwimmenden Dreckschleudern ablösen. Doch auch wenn umfangreich an zukünftigen Luftfahrtantrieben geforscht wird, gibt es doch einige „Nüsse”, die nur schwere zu knacken sind. Wohin die Flugreise führen könnte, erklärt der folgende Artikel.
Problem planbare Sicherheit
Die heutige Fliegerei hat durch ihren globalen Charakter einige besondere Problemstellungen, welche eine Umstellung auf alternative Antriebe schwer machen. Allen voran sei die Sicherheit genannt. Nur Kerosin bzw. all seine in der Luftfahrt verwendeten Derivate, ferner Bio-Kraftstoffe, haben einen festen, planbaren Energiegehalt. Das bedeutet, mit Kraftstoffmenge X und dem bekannten Verbrauch der Triebwerke kommt man in jedem Fall Y Kilometer weit. Selbst wenn der Wind stark weht oder andere Umweltphänomene hinzukommen. Der große Knackpunkt einer elektrisierten Fliegerei. Zu viele Variable können die Kapazität eines Akkus beeinflussen, um eine luftfahrttauglich sichere Reichweitenprognose abzugeben – bei einem E-Auto mit leerem Akku fährt man an den Straßenrand. Beim Flugzeug ist das unmöglich.
Problem Gewicht
Buchstäblich schwerwiegender ist ein anderes Problem: Es existiert schlicht (noch) kein ähnlich einfach massenhaft herzustellender und zu lagernder, vergleichsweise sicherer und mit einem so hohen Brennwert versehener Treibstoff wie Flugbenzin. Wasserstoff ist zwar leichter, aber wesentlich heikler im Handling. Gleiches gilt für Erdgas. Und schaut man sich die Werte für verschiedene Akkutypen an, fällt sehr schnell auf, dass es schon vom reinen Gewicht her nicht funktioniert, einfach den Energieträger zu wechseln, ohne an anderer Stelle Nachteile zu erlangen – abgesehen von der benötigten „Betankungsdauer”.
Problem Destillation
Selbst in einer weitestgehend umgestellten Verkehrswelt, in der nur noch sehr wenig Benzin und Diesel verbraucht wird, wäre es schlicht nicht möglich, ganz auf Kerosin zu verzichten. Denn: Innerhalb der Fraktionen der atmosphärischen Destillation liegt der Verdampfungs-Temperaturpunkt von Kerosin oberhalb dem von Benzin. Das bedeutet, solange auch nur ein Tropfen leichte und schwere Mitteldestillate raffiniert werden müssen (und das werden sie noch für eine sehr lange Zeit, weil darunter viele andere Produkte der Petrochemie abseits der Kraftstoffherstellung fallen), fällt automatisch auch jedes darunterliegende Destillat, also auch Kerosin an, das höchstens durch teure Konversionsanlagen umgewandelt werden kann.





