von DIRK EIDEMÜLLER
Diamanten glänzen nicht nur in der Auslage beim Juwelier, auch in der Forschung machen sie eine gute Figur. Ihre besonders große Härte lässt sich beispielsweise bei Stempelpressen oder in der Materialbearbeitung nutzen. Doch Diamanten haben auch verborgene Eigenschaften, die sie zu einer enorm vielseitigen Komponente für den Einsatz in neuartigen Quantentechniken machen.
„Uns Quantenphysiker interessieren nicht die perfekten Kristalle, sondern die sogenannten Fehlstellenzentren, bei denen die Ordnung des Diamantgitters gestört ist“, sagt Wolfram Pernice, Professor für Experimentalphysik an der Universität Heidelberg. Dazu muss man wissen: Diamant ist ein hochfester Kristall aus tetraederförmig angeordneten Kohlenstoffatomen. Doch hin und wieder schleicht sich ein falsches Atom eines anderen Elements in das Kristallgitter ein. Ist dieses Atom größer als ein Kohlenstoffatom, dann kann es passieren, dass es nicht nur eines davon ersetzt. Manchmal verdrängt es sogar gleich zwei nebeneinanderliegende Kohlenstoffatome von ihren Gitterplätzen. „Dann enthält das Kristallgitter statt zwei Kohlenstoffatomen etwa ein Stickstoffatom und eine Leerstelle“, erläutert Pernice, „eben ein sogenanntes Fehlstellenzentrum.“
Kristalle in Gelb, Blau oder Rosa
Die Wissenschaftler nennen diese Stellen auch Farbzentren, weil sie Licht im für menschliche Augen sichtbaren Wellenlängenbereich absorbieren können – anders als ein reiner Diamant. Wenn ein Diamant viele Stickstoff-Fehlstellenzentren enthält, ist er leicht gelblich gefärbt. Bor färbt den Kristall hingegen blau, Titan rosa. Mittlerweile sind die Forscher auch nicht mehr auf natürliche Diamanten angewiesen, sondern können sie künstlich herstellen und dabei nach Bedarf Fehlstellenzentren implantieren.
Diese Zentren weisen ganz besondere Quanteneigenschaften auf. Denn bei der Fehlstelle befindet sich nun kein Atom, sondern bloß ein Elektron, das einen Spin aufweist – also eine für Quanten typische Eigendrehung. Der Spin kann bestimmte diskrete Werte besitzen, die von externen Magnetfeldern abhängen. „Praktischerweise ist dieser Spin durch das Diamantgitter extrem gut gegenüber äußeren Einflüssen geschützt“, erklärt der Heidelberger Physiker. „Wir haben es also mit einem ungewöhnlich robusten Zustand zu tun, der sich etwa als Quantenbit nutzen lässt.“ Bei einem Stickstoff-Fehlstellenzentrum funktioniert das sogar bei Raumtemperatur. „Das ist sehr ungewöhnlich, weil die meisten Quantensysteme sehr tiefe Temperaturen benötigen“, erklärt Pernice. „Andernfalls verlieren sie ihre wünschenswerten Quanteneigenschaften gleich wieder.“





