Die Technik, die hinter Seraphim steht, wurde ursprünglich für die Strategic Defense Initiative (SDI) aus der Reagan-Ära entwickelt: mit magnetischer Kraft sollten Geschosse auf 20-fache Schallgeschwindigkeit beschleunigt werden. Für die Seraphim-Technik mussten die Wissenschaftler diese Antriebskräfte mäßigen.
Der Seraphim-Antrieb arbeitet mit elektromagnetischen Spulen, die am Zug befestigt sind und nacheinander gezündet werden. In der Schiene, auf welcher der Zug rollt, befinden sich ebenfalls Spulen. Fließt durch die Spule am Zug ein Strom, so erzeugt dieser Stromfluss ein Magnetfeld innerhalb der Spule. Gleichzeitig wird in der Schienen-Spule ein Strom induziert, der seinerseits ein magnetisches Feld erzeugt. Beide Magnetfelder sind entgegengesetzt orientiert und stoßen sich demnach ab: diese Abstoßung beschleunigt den Zug. Mit Sensoren wird die Lage der Zug-Spulen in Bezug auf die Lage der Schienen-Spulen kontrolliert. Je nachdem in welcher Reihenfolge die Zug-Spulen “gezündet” werden, kann der Zug entweder beschleunigt oder abgebremst werden.
Der Motor erzeugt neben den horizontalen auch senkrechte Antriebskräfte. Dies hat zwar Ähnlichkeit mit der Magnetschwebebahn, allerdings soll sich der mit Seraphim angetrieben Zug mit Rädern auf einer Schiene fortbewegen. “Konventionelle magnetische Schwebung ist möglich und für die Öffentlichkeit faszinierend, aber sie ist teuer”, so Barry Marder vom Seraphim-Projekt. Seiner Meinung nach ist nicht die Rollreibung zwischen Schiene und Reifen das Problem für die Hochgeschwindigkeitszüge, sondern der Luftwiderstand. Der französische Hochgeschwindigkeitszug TGV habe gezeigt, dass man auch auf Rädern Geschwindigkeiten bis zu 400 Stundenkilometern erreichen kann.
Im nächsten Jahr soll der Motor weiterentwickelt werden. Die Wissenschaftler wollen einen Prototyp-Motor entwickeln, mit dem ein Fahrzeug 200 Kilometer pro Stunde fährt. Auch bei Schnee und Eis soll der Zug Anstiege bis zu 8.5 Grad bewältigen. Gleichzeitig wird das Seraphim-Konzept auf seine Wirtschaftlichkeit geprüft. Fallen diese Analysen befriedigend aus, so hoffen die Wissenschaftler, dass in fünf Jahren der erste Seraphim-angetriebene Zug fährt.
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