Würden Sie einem Biologiestudenten im ersten Semester Ihr Vermögen anvertrauen? Wohl kaum. Wenn es aber um eine Investition in ein Biotech-Startup Unternehmen ginge, das kurz vor der Marktreife bei der Entwicklung von Behandlungsmethoden bisher unheilbarer Krankheiten steht, dann fiele Ihre Entscheidung vielleicht anders aus. Genau diese Tatsache macht dem 19jährigen Alexander Cherkasky zu schaffen. Er spielt ernsthaft mit dem Gedanken, ein Unternehmen zu gründen, bevor seine Erfindungen noch länger auf dem Patentamt liegen, ohne in die Tat umgesetzt zu werden. Cherkasky ist anders als andere Jungs in seinem Alter: Wenn seine Kommilitonen abends durch die Studentenkneipen der Düsseldorfer Altstadt ziehen, sitzt er am Schreibtisch und wälzt Fachzeitschriften, um Antworten auf große wissenschaftliche Fragen zu finden.
Acht seiner Ideen hat der gebürtige Ukrainer zum Patent angemeldet. Sechs wurden bereits geprüft und veröffentlicht. „ Wenn sich meine Theorien in der Praxis bestätigen, so würde das die medizinische Forschung revolutionieren”, versichert der Student, ohne zu zögern. Die Praxisnähe seiner Arbeiten ist offensichtlich: Ein Fusionsprotein soll Tumore aushungern, und gentechnisch veränderte Zellen sollen beschädigtes Rückenmark reparieren. Und wenn sich seine Theorien zum Spalten von Prionen bestätigen, könnte das sogar eine Waffe gegen BSE bedeuten. Mit seiner Arbeit über spezielle Enzyme gegen Alzheimer war Cherkasky vor gut einem Jahr bei „Jugend forscht” erfolgreich. Trotzdem ließen die anstehenden Laborversuche lange auf sich warten. Wer nimmt einen Teenager schon ernst, der gerade erst sein Abitur geschafft hat? Mit einem Notendurchschnitt von 3,3 – Mathematik: mangelhaft – wäre ihm sogar beinahe das lang ersehnte Biologiestudium verwehrt geblieben. Dank einer Empfehlung des Nobelpreisträgers und Direktors am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried, Robert Huber, hat es dann aber doch geklappt. Nun muß der junge Erfinder Blätter und Wurzeln unter dem Mikroskop betrachten, während seine wissenschaftlichen Partner an der Universität Aachen versuchen, seine Ideen endlich in die Tat umzusetzen.
Hans Groth / Alexander Cherkasky





