Osterinsel: Kontakt mit Amerika?
Archäologie

Osterinsel: Kontakt mit Amerika?

Es war lange umstritten, ob die Osterinsel einst von Asien oder von Amerika aus besiedelt worden war. Der norwegische Abenteurer Thor Heyerdahl glaubte, in den Osterinsel-Statuen Ähnlichkeiten zu südamerikanischen Skulpturen zu erkennen und vermutete deshalb, die Ureinwohner seien ursprünglich aus Südamerika gekommen. Seine berühmte Kon-Tiki-Expedition1947, bei der er mit einem Floß aus Balsaholz von Peru aus bis zu den Tuamotu-Inseln Französisch-Polynesiens segelte, sollte dokumentieren, dass eine solche Besiedlung damals möglich war. In der Zwischenzeit haben allerdings archäologische Funde, Sprachanalysen und auch bisherige Gentests ergeben, dass die Ureinwohner der Osterinsel polynesischen Ursprungs sind.

Das berühmte Seefahrer-Volk war vermutlich vor ungefähr 5.500 Jahren von Asien aus aufgebrochen, um nach und nach die vielen Inseln des heutigen Polynesiens zu besiedeln. So erreichten sie auch eines Tages die entfernteste: die Osterinsel. Ab ungefähr 1100 n. Chr. begannen die sogenannten Rapanui hier mit der Konstruktion von monumentalen Bauwerken, umgeben von den weltbekannten steinernen Statuen. Diese Zeit der Kulturblüte dauerte bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts. Als der Niederländer Jakob Roggeveen am Ostersonntag 1722 die Insel entdeckte, waren bereits alle Kultstätten durch die Ureinwohner selbst verwüstet und die Statuen umgeworfen worden.

Spuren im Erbgut

Obwohl geklärt scheint, wer die Osterinsel erstmals besiedelte, blieb bisher offen, ob die Bewohner anschließend Kontakt mit den Menschen im etwa 4.000 Kilometer entfernten Südamerika aufnahmen. Die Genanalysen der Forscher um Anna-Sapfo Malaspinas vom Natural History Museum of Denmark’s Centre for GeoGenetics in Kopenhagen konnten genau das nun bestätigen. Vergleiche des Genoms der 27 untersuchten Rapanui zeigten, dass ihr Erbgut zu 76 Prozent polynesisch, zu 16 Prozent europäisch und zu 8 Prozent indianisch-amerikanisch ist. Die Merkmale der Erbinformationen ließen auch Rückschlüsse darauf zu, wann diese Mischungen erfolgten. Den Forschern zufolge kam es zu der Einkreuzung des indianischen Erbgutes vor ungefähr 19 bis 23 Generationen, das bedeutet in der Zeit zwischen 1300 und 1500 n.Chr.. Das europäische Erbgut kam dann erst deutlich später dazu – etwa ab 1850.

Thor Heyerdahl lässt grüßen

Zwei Szenarien kommen als Erklärung für dieses Ergebnis in Frage, sagen die Forscher: Entweder die Polynesier segelten von der Osterinsel nach Amerika und wieder zurück oder indianische Seefahrer erreichten von Amerika aus das entlegene Eiland. Malaspinas und ihren Kollegen zufolge ist letztere Variante eher unwahrscheinlich. Denn per Zufall auf die kleine Osterinsel im riesigen Pazifik zu stoßen, sei wie der Fund der Nadel im Heuhaufen. Wenn man hingegen von der Osterinsel aus nach Osten segelt, ist das riesige Südamerika kaum zu verfehlen und mit den Weginformationen ist dann eine Rückreise möglich.

Möglicherweise brachten die Polynesier auch die Menschen aus Südamerika mit, die für das indigene Erbgut auf der Osterinsel sorgten. Welche spannende Geschichte im Detail zu der Mischung der Völker geführt hat, wird allerdings wohl ein Geheimnis bleiben. Doch die Ergebnisse machen den Forschern zufolge zumindest eines erneut deutlich: „Sie erinnern daran, wie intensiv frühe Völker unseren Planeten erkundeten”, so Malaspinas.

Originalarbeit der Forscher:

  • Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2014.09.057
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