Ob bügelfrei, faltenlos oder gewollt knittrig – um das Aussehen oder die Eigenschaften eines Stoffes durch sogenannte “Textilveredelung” zu verändern, sind viele komplizierte Arbeitsschritte notwendig, die nicht immer das gewünschte Ergebnis bringen. Ein Forscherteam an der Fachhochschule Niederrhein will Stoffoberflächen künftig mit dem Computer simulieren und so Ausschußware vermeiden.
Gewebe lassen sich bereits seit einigen Jahren durch Simulationsprogramme am Bildschirm darstellen. Doch wie sich Veredelungsprozesse auf das Erscheinungsbild der Stoffe auswirken, wurde nicht oder nur mangelhaft wiedergegeben, berichten die Wissenschaftler. So kann durch die Behandlung ein vorher glatter Stoff plötzlich faserig aussehen, was durch Simulationen bislang nicht sichtbar war.
Das Projekt “Virtuelle Textilveredelung” am Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik der Fachhochschule Niederrhein soll nun Abhilfe schaffen. Wissenschaftler der Fachgebiete Informatik, Textilgestaltung, Veredelungstechnik und Mathematik entwickeln gemeinsam ein Verfahren, um Veredelungsvorgänge auf textilen Oberflächen schnell, realistisch und Kosten sparend vorhersagen zu können.
Erstmals werden dabei Methoden der digitalen Bildverarbeitung eingesetzt, erläutert der Sprecher der Forscherteams, Klaus Hardt: “Der grundlegende Ansatz besteht darin, die optische Veränderung der Gewebeoberfläche, wie sie in der Veredlung vorgenommen wird, durch digitale “Filter” zu simulieren. Ausgangspunkt sind die digitalen Daten einer Gewebeoberfläche des Rohgewebes. Diese können der Simulation eines CAD-Systems entstammen oder aber vom echtem Rohgewebe abfotografiert sein. Hierauf werden wir nun “Filter”-Algorithmen anwenden, um beispielsweise den Effekt des ‘Walkens’, ‘Waschens’ oder ‘Rauhens’ nachzubilden. Ergebnis ist wieder ein digitaler Datensatz, diesmal aber des Fertiggewebes. Um solche Algorithmen erst entwickeln zu können, nehmen wir eine Vielzahl von Veredlungsprozessen vor und digitalisieren die Gewebe vor und nach jedem Prozessschritt. Aus diesen Daten wollen wir dann die Softwareverfahren ableiten.”
Die neue Methode könnte viele Vorteile bieten: eine drastische Kostenreduktion bei der Musterung, weniger Materialverschwendung und eine geringere Gewässerbelastung durch die bei der Veredelung eingesetzten Chemikalien. Über den Austausch digitaler Bilddaten via Internet könnten sich alle beteiligten Firmen künftig schneller und besser abstimmen. Durch die genaue Vorhersage der Oberflächenveränderungen des Stoffs wäre auch eine ständige optische Kontrolle des fertigen Produkts machbar.
Almut Bruschke-Reimer





