In einem Großprojekt wollen drei norwegische Forscher herausfinden, ob es sich unter wirtschaftlichen und Umweltschutz-Gesichtspunkten lohnt, das Treibhausgas Kohlendioxid in die Tiefsee einzuleiten, wo es für Jahrzehnte von der Atmosphäre abgeschnitten ist. Im Fachblatt “Geophysical Research Letters” stellen Helge Drange, Guttorm Alendal und Ola Johannessen vom Nansen Umwelt- und Fernerkundungszentrum in Bergen ihr Projekt vor, Kohlendioxid aus Öl- und Gasfeldern in der Region “Haltenbanken” in die benachbarte Norwegische See einzuleiten.
Nach Modellrechnungen der Forscher sollte das Treibhausgas, das auch auf natürlichem Wege von den Meeren aus der Atmosphäre aufgenommen wird, in mindestens 600 Meter Tiefe eingespeist werden. Sonst könnte ein Teil des Kohlendioxids wie die Bläschen in einer Sprudelflasche nach oben entweichen. Das CO2, so schreiben die Forscher, würde mit dem Bodenwasser der Norwegischen See durch eine Passage zwischen Island und Schottland in den offenen Atlantik eintreten und bliebe dort über viele Jahre von der Atmosphäre abgeschottet. Vom Preis her könnte es sich durchaus lohnen, das bei der Ölförderung entstehende CO2 ins Meer zu pumpen: Nach den Berechnungen von Drange und seinen Kollegen kostet die Einleitung möglicherweise weniger als die Steuern, die die norwegische Regierung auf die Emissionen erhebt.
Dem Bericht der Forscher zufolge muss allerdings noch geklärt werden, wie Tiefsee-Organismen die CO2-Anreicherung vertragen. Löst sich das Gas im Meerwasser, wird dieses saurer. Die Forscher schlagen vor, nicht das gesamte Kohlendioxid an einer Stelle einzuspeisen, sondern an mehreren Stellen, die fünf bis zehn Meter voneinander entfernt liegen.
Ute Kehse





