Marsgestein findet sich nicht nur auf dem Roten Planeten: Auch einige auf der Erde gefundene Meteoriten stammen vom Roten Planeten. Sie wurden bei urzeitlichen Einschlägen ins All geschleudert und liefern uns nun Marsgeologie quasi „frei Haus“. Allerdings sind solche Marsmeteoriten selten und die meisten sind erst wenige hundert Millionen Jahre alt. Sie stammen damit aus der Zeit, als unser Nachbarplanet schon kalt und lebensfeindlich war.
Umso spannender ist ein neuentdeckter Marsmeteorit aus Mali. Der 2022 in der Saharawüste gefundene Meteorit umfasst mehrere dunkelgraue Gesteinsbrocken, die zusammen knapp 800 Gramm wiegen. Ein Team um Yang Liu vom California Institute of Technology hat den Teghaza 001 getauften Meteoriten nun genauer untersucht – und dabei Erstaunliches entdeckt. Denn diese von unserem Nachbarplaneten stammenden Brocken unterscheiden sich grundlegend von allen bisher bekannten Marsmeteoriten.

Proben des Marsmeteoriten Teghaza 001. — © University of New Mexico
Mit Abstand ältestes Vulkangestein vom Mars
Die erste Besonderheit: Teghaza 001 ist extrem alt. Uran-Blei-Datierungen von winzigen Zirkonkristallen im Meteoritenmaterial ergaben, dass dieser Gesteinsbrocken vor mindestens 4,1 Milliarden Jahren auf dem Mars entstanden sein muss. „Das war eine große Überraschung“, sagt Seniorautor Carl Agee von der University of New Mexico in Albuquerque. „Teghaza 001 ist das mit Abstand älteste je gefundene Vulkangestein vom Mars.“ Zuvor waren nur zwei Marsmeteoriten ähnlichen Alters bekannt, ALH 84001 und NWA 7034. Diese unterscheiden sich jedoch deutlich vom neuen Fund und sind stärker nachträglich verändert.
Das ist bei Teghaza 001 nicht der Fall: „Es ist, als wäre man in die Vergangenheit gereist und hätte vor vier Milliarden Jahren auf dem Mars ein Stück eines Felsvorsprungs abgeschlagen“, sagt Agee. „Wir haben noch nie zuvor einen solchen Meteoriten gefunden.“ Die mineralogischen Analysen ergaben, dass dieses Marsgestein aus dem Marsmantel stammt und vor mehr als 4,1 Milliarden Jahren bei einem Vulkanausbruch an die Marsoberfläche gelangte. Dort kühlte sich der Gesteinsbrocken langsam ab und kristallisierte aus.

Dünnschliff eines Stücks des Marsmeteoriten Teghaza 001. An dieser Probe wurden mineralogische und isotopische Analysen durchgeführt. — © NASA/JPL-Caltech
Steinerner Beleg für Wasser auf dem Mars
Dies führt zur zweiten Besonderheit des Marsmeteoriten: Er enthält Silikatminerale mit einem ungewöhnlich hohen Anteil des Sauerstoffisotops 18O und Spuren von Manganoxiden. Sie gelten als möglicher Hinweis auf atmosphärischen Sauerstoff und/oder mikrobielles Leben. „All dies deutet darauf hin, dass dieses Gestein aus einer Umgebung stammt, die erdähnlich war: Es gab Wasser und von Vulkanen gespeiste hydrothermale Systeme“, berichtet Agee. „Das macht diesen Marsmeteoriten besonders wertvoll.“
Teghaza 001 bestätigt damit, dass der Mars in der Epoche des Prä-Noachiums vor 4,5 bis 4,1 Milliarden Jahren wasserreich und lebensfreundlich war. „Wenn es auf dem Mars jemals Leben an der Oberfläche gegeben hat, dann wäre das genau der Zeitraum, in dem man danach suchen müsste“, sagt Agee. „Damals könnte der Mars noch ein Magnetfeld besessen haben, das ihn vor Strahlung schützte. Außerdem gab es Oberflächenwasser und eine dichtere Atmosphäre. Wenn auf dem Mars Leben entstanden ist, dann war dies die wahrscheinlichste Zeit dafür.“
Geologisches Zeugnis aus dem südlichen Hochland
Die Analysen lieferten auch erste Hinweise darauf, woher auf dem Mars der Meteorit gekommen sei könnte. „Die Elementverhältnisse von Teghaza 001 unterscheiden sich von denen aller anderen Marsmeteoriten. Das spricht dafür, dass er aus einem anderen Bereich des Marsmantels stammen muss als diese“, erklären die Forschenden. Um seine Herkunft einzugrenzen, suchten sie in geologischen Daten von Mars-Orbitersonden nach mineralogischen Übereinstimmungen – und wurden fündig.
Den Vergleichen zufolge könnte Teghaza 001 aus dem südlichen Hochland des Mars gekommen sein – einer bislang kaum untersuchten Region des Roten Planeten. Die dortige Marskruste gilt als die älteste des Planeten. Das gesamte Hochlandgebiet liegt rund fünf bis sechs Kilometer höher als das nördliche Tiefland. Als wahrscheinlichsten Herkunftsort sehen Agee und sein Team die Region nordwestlich des rund 2300 Kilometer großen Hellas-Einschlagskraters – dem zweitgrößten des Sonnensystems.

Diese Höhenkarte des Mars zeigt die wahrscheinlichsten Herkunftsorte (Kreise) des Marsmeteoriten Teghaza 001 im südlichen Marshochland. Der Hellas-Krater ist der große tiefblaue Fleck. — © NASA/JPL-Caltech/ USGS
Der neu entdeckte Marsmeteorit ist damit ein einzigartiger Zeitzeuge aus der Frühzeit des Mars und liefert neue Informationen über eine bisher kaum erforschte Region des Roten Planeten. Teghaza 001 sei eine echte Rarität, so Agee: „Die Chancen sind äußerst gering, dass wir in absehbarer Zeit noch einmal einen solchen Meteoriten finden werden.“
Quelle: Yang Liu (California Institute of Technology, Pasadena) et al., Science, 2026; doi: 10.1126/science.adz5646





