Die Internet-Enzyklopädie Wikipedia bekommt Ende November Konkurrenz. Dann geht „Citizendium” online (www.citizendium. org). Neu daran ist, dass auf der englischsprachigen Seite die Artikel von Wissenschaftlern geprüft und die Urheberschaft dokumentiert werden sollen. Wir sprachen mit Larry Sanger über das Projekt. Er ist einer der Initiatoren von Wikipedia und Gründer von Citizendium.
Herr Sanger, Sie bemängeln an Wikipedia unter anderem die Qualität der Inhalte.
Viele Wikipedia-Artikel sind erstaunlich gut, wenn man den offenen Prozess berücksichtigt, in dem sie entstehen. In den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften aber sind sie oft sehr amateurhaft. Wir glauben, dass wir mit Citizendium die Qualität erheblich verbessern können.
Meinen Sie damit außer Expertenkontrolle die Signatur mit echten Autorennamen?
Ja. Aber um das klar zu stellen – nicht die Artikel werden signiert, sondern die Autoren müssen ihre wahren Namen in einer Chronik hinterlegen, die den Artikeln angefügt wird. Dabei ist Citizendium zunächst nur ein Experiment. Die Website wird am Anfang noch viele unredigierte Inhalte enthalten. Mit der Zeit werden wir aber immer mehr Artikel von Wissenschaftlern prüfen und editieren lassen.
Können Wikipedia und Citizendium Seite an Seite existieren?
Ja. Wenn Citizendium floriert, wird eine Co-Existenz unvermeidlich. Denn viele junge Leute wollen nicht unter der Aufsicht anderer arbeiten. Was diese Autoren in Wikipedia produzieren, wird anders aussehen als das, was die eher etablierten Leute, die mit Experten und Wissenschaftlern zusammenarbeiten, in Citizendium produzieren. Deshalb werden beide Online-Lexika mit ziemlicher Sicherheit ganz verschiedene soziale Nischen besetzen.





