Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Druckfehler oder Schmutzflecken. Auf den zweiten Blick erkennt das scharfe Auge in der Regionalzeitung „Post and Courier” (Charleston, USA) kleine Zeichen und Striche. Statt wie bisher Internet-Adressen in Zeitungen, Zeitschriften, Büchern oder Werbeanzeigen mühsam abzutippen, liest ein handlicher Stiftscanner diese Barcodes in den PC ein und ruft die zum Artikel passende Webseite auf, zum Beispiel die Wetterkarte oder aktuelle Börsenkurse.
Die Firma GoCode (www.gocode.com) hat hochgesteckte Ziele. Werden die Barcodes in Versandkataloge gedruckt, könnten Kunden mit ihrem Stift übers Internet bestellen. „Erstmals existiert eine direkte Verknüpfung zwischen einem Druckmedium und dem Internet”, schwärmt GoCode-Geschäftsführer Tom Pickens. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Digimarc (www.digimarc.com). Das Unternehmen hat ein Verfahren entwickelt, das Informationen – unter anderem Internet-Adressen – unsichtbar als Muster in Texten oder Bildern versteckt. Hält der Leser eine Zeitungsseite oder eine Anzeige mit dem Digimarc-Logo vor eine kleine Web-Kamera, entschlüsselt die kostenlose Software das digitale Wasserzeichen und ruft die Webseite auf. Noch ist die Ausstattung von Personalcomputern mit Kameras oder Stiftscannern zu gering. Doch Digimarc verhandelt bereits mit 100 Zeitschriften über den Einsatz der Wasserzeichen. Mehrere Firmen, darunter Ford, Visa und Sony, wollen die Wasserzeichen in ihre Reklame einbauen. GoCode hat 3000 Leser des Post and Courier mit kostenlosen Lesestiften ausgerüstet, die im Handel rund 200 Mark kosten werden.
Bernd Müller





