Von blinden Fischen lernen
Mit Untersuchungen zum „cercalen Sinnessystem” von Grillen begann Andreas Vollmayr seine Dissertation. Die Insekten nutzen dieses System, um feine Luftströmungen wahrzunehmen und daraus abzuleiten, ob sich ein Räuber in der Nähe befindet. Doch dann stand der Physiker vom Lehrstuhl für Theoretische Biophysik der TU München plötzlich mit zwei völlig unterschiedlichen Aufgabenstellungen da. Denn einer der Initiatoren des Nachbar-Projekts „Snookie” ging in die Industrie – und Vollmayr übernahm auch seine Aufgabe.
Snookie ist ein zylinderförmiger Unterwasserroboter (siehe Bild auf S. 108). Analog zu einem blinden Höhlenfisch, der mit seinem sogenannten Seitenlinienorgan anhand von Wasserströmungen Hindernisse und die Struktur von Oberflächen in seiner Umgebung erkennen kann, soll der Roboter sein Umfeld wahrnehmen. Für die Kalibrierung der Strömungssensoren des Roboters hat der Physiker eine neuartige Messvorrichtung konstruiert. Entstanden ist der blinde künstliche Taucher im Rahmen eines Studentenprojekts, das erst im Lauf der Zeit in den CoTeSys-Cluster eingegliedert wurde.
Zwei Projekte parallel am Laufen zu halten, bedeutet eine enorme Belastung – zumal Andreas Vollmayr neben der Betreuung von Studierenden auch noch eine Lehrverpflichtung hat. Doch der Physiker nimmt es sportlich: „Man muss sehr schnell sehr viel lernen und mit dem notwendigen Pragmatismus an die Arbeit gehen.” Der Jungforscher gibt sich cool und lacht viel. Seine Arbeitstage seien total zerpflückt, sagt er. Selten habe er zwei bis drei Stunden am Stück Zeit, um über theoretischen Fragen zu brüten. Das liegt auch daran, dass es für Snookie kaum etwas von der Stange gibt und man die Bauteile und Messvorrichtungen häufig erst selber herstellen muss. Im Grund ist Snookie eine Herausforderung an den Erfindergeist.





