Leonardo da Vincis Traum ist nach 500 Jahren endlich Wirklichkeit geworden: eine Maschine, die sich wie ein Vogel durch Flügelschlagen vom Boden erheben und fliegen kann – bewegt durch menschliche Muskelkraft. Um 1490 hatte der italienische Künstler und Erfinder diesen „Ornithopter” skizziert. Nun haben kanadische Studenten um den Doktoranden Todd Reichert vom Institut für Luftfahrtwissenschaft der University of Toronto ein Fluggerät konstruiert und gebaut, das nach diesem Prinzip funktioniert.
„Snowbird” besteht aus extrem leichten Werkstoffen wie Kohlefasern, Schaumstoff und Balsaholz. Seine elastische Tragfläche hat eine Spannweite von 32 Metern – das ist vergleichbar mit den Dimensionen eines großen Linienjets. Dennoch wiegt das Flugzeug – ohne Pilot – nur 43 Kilogramm. Die Kombination aus großen Flügeln und geringem Gewicht verleiht ihm auch bei langsamer Fluggeschwindigkeit einen enormen Auftrieb. Unter der Tragfläche ist die Pilotenkanzel angebracht, die durch Seile mit der Schwinge verbunden ist. Über die Seile lässt sich der weit ausladende Flügel verbiegen. Dazu streckt der Pilot im Takt seine Beine und zieht sie wieder an den Körper heran, wobei er einen Gleitblock hin und her bewegt. Dadurch wird eine rhythmische Kraft auf die Tragfläche übertragen, die sie bei jedem Strecken der Beine nach unten krümmt. Während der Pilot die Beine anzieht, biegen Auftrieb und Elastizität des Materials die Schwinge dagegen nach oben. Das Resultat ist ein gleichmäßiges Flügelschlagen, das den Ornithopter in der Luft hält und vorwärts treibt.
Auf diese Weise schaffte es Todd Reichert, allein mit Muskelkraft 145 Meter weit zu fliegen. Während der 20 Sekunden Flugdauer erreichte er im Schnitt eine Geschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde. Allerdings: Am Ende des Rekordflugs ging das Antriebssystem des Snowbird zu Bruch.
Reichert hofft, dass das ungewöhnliche Fluggerät einen prominenten Platz in einem Museum erhält und sein Flug ins Guiness-Buch der Rekorde eingetragen wird. Er ist überzeugt: Künftig lassen sich noch größere Distanzen per Schwingenflug zurücklegen – vorausgesetzt, es gelingt, das Gewicht weiter zu reduzieren und die Effizienz der Antriebstechnik zu verbessern.
Redaktion: Hans Groth, nachrichten@bild-der-wissenschaft.de





