Beim Gehen Energie erzeugen ? das wird durch einen von amerikanischen Biomechanikern entwickelten Rucksack möglich. Der Rucksack sieht auf den ersten Blick aus wie ein gewöhnlicher Rucksack mit Außengestell. An diesem starren Gestell ist der eigentliche Packsack jedoch mit Federn befestigt. Diese geraten beim Gehen in Schwingung und treiben einen Generator an, der eine elektrische Leistung von bis zu 7,4 Watt liefert. Damit könnten sieben Handys gleichzeitig betrieben werden.
Freilandforscher, Wanderer und Soldaten hatten bis jetzt ein Problem: Neben ihrer Ausrüstung mussten sie noch schwere Ersatzbatterien für elektrische Geräte wie Handys, GPS-Geräte, Nachtsichtgeräte oder MP3-Spieler mitnehmen. Diese konnten ein Zusatzgewicht von bis zu 25 Prozent ausmachen. Der von Lawrence Rome gemeinsam mit Biomechanikern des Meeresbiologischen Labors in Woods Hole entwickelte Rucksack macht Ersatzbatterien jedoch überflüssig.
Sein Funktionsprinzip: Durch das Anheben eines Beins beim Gehen wird auch die Hüfte des Rucksackträgers um etwa vier bis sieben Zentimeter angehoben. Diese Bewegung wird auf das Gestell übertragen, wodurch die vertikal angebrachten Federn die Last zum Schwingen bringen. Die dadurch entstandene Bewegungsenergie wird auf einen Generator übertragen, der sie in elektrische Energie umwandelt. Die erzeugte Energie kann entweder sofort genutzt oder in einem Akku gespeichert werden. Je schneller der Rucksackträger geht und je mehr der Rucksack wiegt, desto mehr Energie wird auch erzeugt. Das kann bis zu 300-mal mehr sein als bereits früher entwickelte Schuhe, die beim Gehen Energie erzeugen. Diese lieferten eine Leistung von nicht mehr als zwanzig Milliwatt.
Der Träger des Rucksacks verbraucht trotz des energieerzeugenden Aufbaus nicht mehr Energie als beim Tragen eines gewöhnlichen Rucksacks, da er seinen Schritt entsprechend auf das Schwingen des Rucksacks einstellt, berichten die Forscher. “Die Energie, die man verbraucht, könnte durch das Tragen von zusätzlichem Proviant ausgeglichen werden, der nichts wiegt im Vergleich zum Gewicht von Ersatzbatterien”, schlägt Rome vor. Denn Nahrung enthält bis zu 100-mal mehr Energie als Lithiumbatterien.
Lawrence Rome (Universität von Pennsylvania, Philadelphia) et al.: Science, Bd. 309, S.1725
ddp/wissenschaft.de ? Eva Maria Marquart





