von MICHAEL VOGEL
In einem Smartphone stecken Dinge, deren Bedeutung vielen Menschen gar nicht bewusst ist. Dazu gehört in manchen Handy-Modellen eine Baugruppe, die einen Infrarotlaser, eine Optik aus mehreren Linsen sowie einen kleinen Bildsensor umfasst. Dieses Modul ermöglicht es, das Smartphone per Gesichtserkennung zu entsperren.
Und das geht so: Das für das menschliche Auge unsichtbare, weil infrarote, Laserlicht wird über die Optik als Lichtmuster auf das Gesicht projiziert. Der Sensor misst dann, wie lange es dauert, bis das an verschiedenen Stellen des Gesichts reflektierte Lichtmuster wieder in dem Modul ankommt. Das geschieht zum Beispiel mit Licht, das an der Nasenspitze oder am Kinn zurückgeworfen wurde, etwas früher als bei Licht, das eine Augenhöhle getroffen hat. Aus den so erhaltenen Informationen erstellt das Modul eine Tiefenkarte des erfassten Gesichts und prüft, ob sie mit der Tiefenkarte des hinterlegten digitalen Gesichtsmusters übereinstimmt. Passen Messung und Muster zusammen, wird das Smartphone entsperrt.
Ein weitreichender technischer Wandel
Das Modul für diese Gesichtserkennung ist nur eine von zahlreichen Baugruppen in einem Smartphone-Gehäuse – aber eine, bei der sich gerade ein technischer Wandel vollzieht, der weit über die Gesichtserkennung hinaus für die Optik von Bedeutung sein könnte. Die Hauptrolle dabei spielen sogenannte Metalinsen. Das sind dünne Oberflächen mit äußerst feinen Strukturen, die das Licht ähnlich wie eine klassische Glaslinse gezielt ablenken und bündeln können. Diese Strukturen werden auch Metaatome genannt, was ausdrücken soll, dass sie winzig sind und die kleinsten funktionalen Einheiten der Oberfläche darstellen.
Metaatome haben eine charakteristische Größe, die kleiner als die Wellenlänge des Lichts ist, das sie manipulieren sollen. Sichtbares Licht, das meist ein Gemisch verschiedener Farben ist, umfasst Wellenlängen zwischen 400 (blau) und 800 (rot) Nanometer, also 0,0004 bis 0,0008 Millimeter. Wenn es gelingt, ausreichend viele passend geformte Metaatome mit hoher Präzision auf einer Oberfläche herzustellen, wirkt eine solche für makroskopische Verhältnisse extrem dünne Schicht auf Lichtstrahlen genauso wie eine dicke Glaslinse.
„Mehr als 120 Millionen Metaoberflächen-Optiken sind bereits in kommerziell hergestellter Elektronik sowie in vernetzten Sensoren in Gebrauch, zum Beispiel in Smartphones, Laptops, Drohnen, Robotern und intelligenten Schlössern“, sagt Lars Johnsson, Vice-President of Product, Sales & Marketing beim US-Unternehmen Metalenz. „Dort ersetzen sie traditionelle Linsenoptiken, etwa für biometrische Sicherheitsanwendungen oder Abstandsmessungen.“





